BVPG-Statuskonferenz 2021 digital

Psychische Gesundheit in der dritten Lebensphase

Die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) richtete am 12. November 2021 ihre nunmehr 20. Statuskonferenz aus - erstmals als rein digitale Veranstaltung. Die Statuskonferenz zum Thema „Psychische Gesundheit in der dritten Lebensphase" fand in Kooperation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund e.V. (DOSB) statt.

Die dritte Lebensphase ist eine Zeit vielfältiger Veränderungen, die auch Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann.

Auf der digitalen 20. BVPG-Statuskonferenz wurde die psychische Gesundheit in den letzten Jahren des Berufslebens, beim Übergang ins Rentenalter und in der Zeit nach dem regulären Ende des Berufslebens mit folgenden Leitfragen in den Blick genommen: Welche evidenzbasierten Erkenntnisse, Fragen, Herausforderungen und Konzepte zum Umgang mit psychischer Gesundheit in der dritten Lebensphase gibt es? Welche Faktoren tragen zur Resilienz bis ins hohe Alter bei? Welche Auswirkungen hat die Psycho-Pille "Bewegung" auf die psychische Gesundheit?
Die Statuskonferenz hat spannende Impulse aus Wissenschaft und Praxis. Auch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit dieser Altersgruppe wurden diskutiert.


Wissenschaftliche Evidenz, Praxisbeispiele und Austausch

Inhaltlich war die Statuskonferenz in vier Blöcke gegliedert: Eröffnet wurde die Konferenz von Joachim Becker, Leiter der Abteilung "Medizin- und Berufsrecht, Prävention" im Bundesministerium für Gesundheit. Daran anschließend folgten die Begrüßung durch Veronika Rücker, Vorstandsvorsitzende des DOSB, sowie Ute Bertram, Präsidentin der BVPG. Nach der Eröffnung wurden im ersten Block in Impulsvorträgen von Prof. Dr. Eva-Marie Kessler, MSB Medical School Berlin GmbH, und Prof. Dr. Simon Forstmeier, Universität Siegen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse bzw. die epidemiologischen Daten zu psychischen Erkrankungen in der dritten Lebensphase vorgestellt. "Für den Durchschnitt älterer Menschen ist die psychische Gesundheit deutlich besser als die körperliche. Zur Förderung psychischen Alterns ist eine Überwindung der kulturell tief verankerten Auffassung notwendig, wonach das Leben im Alter weniger wertvoll ist", so Professorin Kessler in ihrem Vortrag.

Anschließend wurde im zweiten Block auf Praxisbeispiele aus dem betrieblichen und kommunalen Setting eingegangen: Sieglinde Ludwig, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) und BVPG-Vorstandsmitglied, Esin Taşkan, Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI), Petra Regelin, DOSB und Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, Margit Hankewitz, Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V. (BAGSO) und Dr. Verena Lindacher, Gesundheitsreferat der Landeshauptstadt München haben in diesem Block einen Einblick in die Praxis gegeben.

Der dritte Block widmete sich den Herausforderungen, die sich mit dem Eintritt in die dritte Lebensphase für die psychische Gesundheit ergeben. Das namhaft besetzte Podium mit Vertreterinnen und Vertretern der Praxis, Wissenschaft und aus Fachorganisationen, u.a. Jens Hupfeld, GKV-Spitzenverband und Dr. Matthias Albers, Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V., diskutierten zu folgenden Fragen:

  • Wie erhält man mehr Offenheit im Umgang mit psychischer Gesundheit bzw. mit psychischen Belastungen in der dritten Lebensphase?
  • Wie kann ein besserer Zugang zu Präventionsangeboten für Menschen in der dritten Lebensphase ermöglicht werden?
  • Vulnerable Ziel-/Dialoggruppen: Welche Gruppen müssen hier berücksichtigt werden? Welche Strukturen werden gebraucht?
  • Welche/n Auswirkungen/Einfluss hat die Corona-Pandemie auf die Betroffenen und auf die Strukturen zur Förderung psychischer Gesundheit in der dritten Lebensphase?

Im abschließenden vierten Block hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Fragen einzubringen und sich in Kleingruppen darüber auszutauschen, was für sie die diskutierten Herausforderungen in deren Arbeitskontext bedeuten. In den Gruppen konnten die Teilnehmenden mithilfe des Tools "TaskCards" ihre Ergebnisse festhalten.

Dr. Beate Grossmann, Geschäftsführerin der BVPG, führte als Moderatorin durch die Veranstaltung.


Wesentliche Ergebnisse und Herausforderungen

Eine Dokumentation mit den Zusammenfassungen der Vorträge und der Podiumsdiskussion wird voraussichtlich Anfang 2022 auf unserer Website zur Verfügung stehen. Jedoch kann vorab bereits Folgendes festgehalten werden:

Die meisten älteren Menschen erfreuen sich einer guten psychischen Gesundheit. Sie haben in ihrem Leben schon viele Probleme gemeistert und nutzen eine Reihe von personalen und sozialen Resilienzfaktoren, wie Regulation, Akzeptanz, Sinnfindung und einen aktiven Lebensstil.

Die Statuskonferenz machte deutlich, dass eine wesentliche Herausforderung in den Angeboten und Maßnahmen liegt: noch gibt es zu wenige Angebote und Maßnahmen, die auf die Beeinflussung psychischer Prozesse ausgerichtet sind, seien es Bewegungsangebote oder auch Präventionsketten für biographische Umbrüche im Alter. Es gibt regional erfolgreiche Modellprojekte, jedoch noch kein systematisches Ausrollen in die Fläche.

Die Präsentationen werden nach Rücksprache und Freigabe der Referierenden auf dieser Seite zur Verfügung gestellt.

Rund 200 Fachkräfte aus Deutschland sowie aus Österreich nahmen an der Statuskonferenz teil, darunter Vertreterinnen und Vertreter u.a. aus der Politik, aus der kommunalen Verwaltung, aus Wohlfahrts- und Fachverbänden, aber auch Anbieter präventiver Maßnahmen sowie interessierte Übungsleiterinnen und Übungsleiter aus dem Bereich der Bewegungsförderung für Ältere waren unter den Teilnehmenden.


Angebote der BVPG-Mitgliedsorganisationen

Um die BVPG-Mitgliedsorganisationen mit ihren Angeboten in diesem Themenbereich sichtbarer zu machen, ist geplant, eine Übersicht dieser Angebote zu erstellen. Diese Angebotsübersicht soll dann im Nachgang der Statuskonferenz neben der Dokumentation für alle Mitglieder und Interessierten auf der BVPG-Website voraussichtlich Anfang 2022 zur Verfügung stehen.



BVPG-Blog: Interview mit Prof. Dr. Eva-Marie Kessler

Für unseren Blog interviewten wir Prof. Dr. Eva-Marie Kessler, Professorin für Gerontopsychologie an der MSB Medical School Berlin, Sprecherin der Interessengruppe "Klinische Gerontopsychologie und Psychotherapie im höheren Lebensalter" der Deutschen Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs) und Referentin auf der BVPG-Statuskonferenz zum Thema "Psychische Gesundheit im Alter". Hier steht unser Interview zur Verfügung.


Programmflyer (PDF)
Ankündigung (PDF)


Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an statuskonferenz@bvpraevention.de

 

Autor/in

Linda Arzberger

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