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08.10.2026
Parlamentarisches Frühstück

Gesundheit als Zukunftsfaktor gemeinsam politisch gestalten

Wie können unterschiedliche Politikbereiche dazu beitragen, dass Menschen gesund leben können? Und wie stärkt mehr Gesundheit zugleich die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung? Diese Wechselwirkungen standen im Mittelpunkt des Parlamentarischen Frühstücks von BVPG und Parlamentskreis Prävention am 8. Oktober 2026 im Berliner Jakob-Kaiser-Haus.

Vier Personen stehen beim Parlamentarischen Frühstück 2026 vor einem Roll-up der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. und posieren für ein gemeinsames Foto.
© BVPG e.V.

 

Unter dem Titel „Gesundheit als Zukunftsfaktor" diskutierten Abgeordnete und Fachleute darüber, wie Prävention und Gesundheitsförderung als gemeinsame Aufgabe über Ressort- und Parteigrenzen hinweg vorangebracht werden können.

Nach der Begrüßung durch BVPG-Präsidentin Simone Borchardt MdB und Johannes Wagner MdB vom Parlamentskreis Prävention eröffnete Dr. Matthias Wismar vom European Observatory on Health Systems Policies / WHO European Centre for Health Policy die fachliche Diskussion. Sein Thema: „Health in All Policies und Health for All Policies: Gesundheit als Zukunftsfaktor für alle Politikfelder“. Gesundheit ist ein Zukunftsfaktor für alle Politikfelder. Wismar zeigte, wie Health in All Policies durch Health for All Policies weitergedacht wird: Andere Ressorts sollen Gesundheit mitdenken; zugleich muss Gesundheitspolitik ihren Beitrag zu Bildung, Wirtschaft, Klima, gesellschaftlichem Zusammenhalt und Demokratie sichtbar machen.

Gerade Investitionen in Gesundheitskompetenz erzeugen weitreichende positive Wirkungen über den Gesundheitsbereich hinaus – sogenannte Co-Benefits. Sie reichen von besseren Gesundheitschancen bis zu stärkerer gesellschaftlicher Teilhabe. Gleichzeitig brauche es politische Führung, um soziale und kommerzielle Einflussfaktoren auf Gesundheit wirksam zu gestalten und gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen. Wismar unterstrich damit die anhaltende Aktualität der Ottawa-Charta: Die Evidenz ist da – jetzt kommt es auf das Handeln an.

Wie sich diese ressortübergreifende Perspektive konkret aufgreifen lässt, zeigten die anschließenden parlamentarischen Kurzimpulse am Beispiel der Bildungs- und Familienpolitik sowie der Arbeits- und Sozialpolitik.


Früh beginnen und Familien stärken

Wolfgang Dahler MdB rückte in seinem Kurzimpuls die Perspektive der Bildungs- und Familienpolitik in den Mittelpunkt. Frühe Hilfen, Sprachförderung und die Stärkung elterlicher Kompetenzen schaffen Voraussetzungen für gute Entwicklung und Gesundheit. Entscheidend sei, Familien frühzeitig und niedrigschwellig zu erreichen – beispielsweise durch Lotsenangebote bereits in Geburtskliniken, die Eltern den Weg zu passender Unterstützung eröffnen.

Dahler benannte zugleich eine politische Herausforderung: Ausgaben für Prävention müssen sich häufig unter kurzfristigen Haushaltsvorgaben rechtfertigen, während ihr Nutzen erst später sichtbar wird. Umso wichtiger sei es, Prävention in der Bildungs- und Familienpolitik konsequent mitzudenken.


Gesund aufwachsen und gesund arbeiten

Prof. Armin Grau MdB knüpfte daran mit der Perspektive aus Arbeit und Sozialem an. Soziale Lebensbedingungen prägen die Chancen auf Gesundheit von früher Kindheit an und über den gesamten Lebensverlauf. Wer darüber spreche, dass Menschen länger im Erwerbsleben bleiben sollen, müsse deshalb auch die gesundheitlichen Voraussetzungen dafür schaffen.

Grau betonte die Bedeutung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen, betrieblicher Gesundheitsförderung und eines wirksamen Umgangs mit psychischen Belastungen. Präventionsangebote müssten früher ansetzen und diejenigen besser erreichen, die besonders belastet sind. Bislang würden Angebote häufig von Menschen genutzt, die bereits viel für ihre Gesundheit tun. Auch bei der Weiterentwicklung der Primärversorgung müssten Prävention und Gesundheitsförderung einen festen Platz erhalten.


Rahmenbedingungen für wirksame Prävention schaffen

Die anschließende Diskussion griff diese Beispiele auf und richtete den Blick auf übergreifende Voraussetzungen: Wie lassen sich politische Verantwortung, Finanzierung und Zusammenarbeit so gestalten, dass Prävention und Gesundheitsförderung in unterschiedlichen Lebensbereichen wirksam werden?

Gesundheit fördern muss sich auch strukturell lohnen. Diskutiert wurde, wie Finanzierung und Vergütung stärkere Anreize für Prävention schaffen können. Zur Sprache kamen sowohl die Anerkennung präventiver Aktivitäten von Krankenkassen als auch regionale Ansätze, bei denen Zusammenarbeit und gesundheitliche Verbesserungen vor Ort unterstützt werden.

Kompetenzen verschiedener Gesundheitsberufe besser nutzen. Multiprofessionelle Zusammenarbeit kann Prävention stärken und Arztpraxen entlasten. Dafür braucht es klare Aufgaben, verlässliche Rahmenbedingungen und ausreichend qualifiziertes Personal. Zugleich wurde betont, dass auch kurze präventive Gespräche in der ärztlichen Versorgung einen wichtigen Beitrag leisten können.

Zugänge erleichtern und Fortschritte sichtbar machen. Am Beispiel der Ernährungsberatung wurde deutlich, wie komplizierte Erstattungswege und finanzielle Vorleistungen Unterstützung erschweren können. Gefordert wurden außerdem eine bessere Nutzung vorhandener Daten sowie gemeinsame, überprüfbare Ziele, um Fortschritte erkennen und Maßnahmen weiterentwickeln zu können.

Gesundheitsförderliche Lebensbedingungen politisch voranbringen. Mehrere Beiträge warben dafür, das politische Zeitfenster für Maßnahmen bei Tabak, Alkohol und zuckerhaltigen Getränken zu nutzen. Dabei ging es auch um den Umgang mit wirtschaftlichen Interessen und die Frage, wie gesellschaftliche Unterstützung für solche Schritte gewonnen werden kann.


Ein gemeinsames positives Ziel

Anne Jansen MdB brachte die Idee eines gemeinsamen gesellschaftlichen Ziels in die Diskussion ein: Ein positives Zukunftsbild könne Menschen verbinden und Orientierung für konkrete, überprüfbare Schritte geben. BVPG-Geschäftsführerin Dr. Gisela Nellessen-Martens, die den Austausch moderierte, griff diesen Gedanken auf: Wie lässt sich Gesundheit als gemeinsames Anliegen vermitteln, das Menschen über Parteien und Ressorts hinweg verbindet? Lebensqualität, Teilhabe und die Möglichkeit, das eigene Leben zu gestalten, sollten dabei im Mittelpunkt stehen.

Zum Abschluss bekräftigten die Gastgeber Simone Borchardt MdB, Präsidentin der BVPG, und Johannes Wagner MdB, Prävention und Gesundheitsförderung gemeinsam über Partei- und Ressortgrenzen hinweg voranbringen zu wollen. Der Parlamentskreis Prävention freut sich über weitere Mitglieder, die ihre Perspektiven einbringen und dieses Anliegen mitgestalten möchten. Die BVPG wird den fachlichen Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis weiterhin unterstützen. Das gemeinsame Anliegen: Aus dem Dialog konkrete Schritte entwickeln, die Menschen ein gesundes Leben ermöglichen.

Die BVPG dankt dem Parlamentskreis Prävention, den Impulsgebenden und allen Teilnehmenden für die engagierte Diskussion.


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Gastbeitrag von Dr. Michelle Falkenbach und Dr. Matthias Wismar vom European Observatory on Health Systems and Policies, WHO European Centre for Health Policy in Brüssel: „Mit Health for All Policies gemeinsam zu den Nachhaltigkeitszielen!“


Parlamentarisches Frühstück „Gesundheit als Zukunftsfaktor“ mit Johannes Wagner MdB (Parlamentskreis „Prävention“), Dr. Matthias Wismar (European Observatory on Health Systems and Policies, WHO/Europa), Simone Borchardt MdB (BVPG-Präsidentin) und Dr. Gisela Nellessen-Martens (BVPG-Geschäftsführerin) (v.l.n.r.).