Präventionsinitiative
Auftaktveranstaltung des BMG am 17. Juli 2026
3-Minuten-Statement der BVPG
Vielen Dank für die Möglichkeit, die Perspektive der BVPG einzubringen.
Deutschland beginnt bei Prävention und Gesundheitsförderung nicht bei null. Es passiert bereits viel — auch außerhalb des Gesundheitssektors und jenseits vergüteter Leistungen.
Gerade darin liegt eine Stärke: Prävention und Gesundheitsförderung leben von Menschen und Organisationen, die sich engagieren — für die eigene Gesundheit und für die Gesundheit anderer. Diese Bereitschaft ist eine tragende Säule.
Gleichzeitig ist Prävention komplex und facettenreich. Sie betrifft die körperliche, psychische und soziale Gesundheit, alle Lebensphasen, alle Lebensbereiche und unterschiedliche gesundheitliche und soziale Lagen.
Bei begrenzten Ressourcen entstehen deshalb schnell Konkurrenzsituationen: zwischen Themen, Akteuren und Ansätzen; zwischen Früherkennung und Gesundheitsförderung, Verhalten und Verhältnissen, Lebenswelten und Versorgung, Eigenverantwortung und gesellschaftlicher Verantwortung sowie professionellen Leistungen und ehrenamtlichem Engagement.
Das spüren wir auch in der BVPG. Die Perspektiven unserer Mitgliedsorganisationen sind unterschiedlich — und aus der jeweiligen fachlichen, institutionellen oder lebensweltbezogenen Sicht sehr gut nachvollziehbar.
Genau darin liegt die Herausforderung: Wenn ein Gesetzentwurf in einem so breiten Feld vor allem als Entscheidung für den einen und gegen den anderen Ansatz wahrgenommen wird, gerät er fast zwangsläufig zwischen berechtigte Erwartungen. Dann droht die Debatte weniger darum zu kreisen, was gemeinsam möglich wird, sondern darum, was fehlt, zu kurz kommt oder nicht finanziert wird.
Umso wichtiger ist ein positiver, verbindender Rahmen. Die Präventionsoffensive sollte mit einem gemeinsamen Ziel starten: Gemeinsam Gesundheit in allen Lebenslagen besser zu ermöglichen. Ein solcher Rahmen kann unterschiedliche Perspektiven aufnehmen, Prioritäten transparent machen und Zusammenarbeit stärken — gerade weil die Akteure unterschiedliche, aber berechtigte Schwerpunkte einbringen.
Dazu gehört auch, Eigenverantwortung und gesellschaftliche Verantwortung in eine gute Balance zu bringen. Jeder Mensch kann zu Gesundheit beitragen — zur eigenen Gesundheit und zur Gesundheit anderer. Aber niemand soll damit allein sein. Je nach sozialer und gesundheitlicher Ausgangslage, Zielsetzung und Zielgruppe braucht es das passende Zusammenspiel: Menschen in Gesundheitskompetenz, Selbstwirksamkeit und Bewältigungskompetenz stärken — und zugleich Rahmenbedingungen schaffen, die gesundes Handeln, Teilhabe und Unterstützung möglich machen und nicht vom sozialen Status abhängig werden lassen.
Hier sieht die BVPG ihren besonderen Beitrag. Als Dachverband vertreten wir keine Einzelinteressen. Wir können unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und bringen bereits heute ressortübergreifende Erfahrungen ein.
Wir haben konkrete Ansatzpunkte für die Ausgestaltung der Präventionsoffensive formuliert. In diesen drei Minuten möchte ich aber vor allem die strategische und kommunikative Ebene betonen: Eine Präventionsoffensive muss Menschen, Organisationen und Akteure positiv erreichen, motivieren und stärken. Sie darf nicht den Eindruck erzeugen, Ansätze, Akteure oder Verantwortlichkeiten gegeneinander auszuspielen. Sonst schwächen wir genau das Engagement, auf das Prävention und Gesundheitsförderung angewiesen sind. Gesundheit ermöglichen — persönlich, gemeinsam und in politischer Verantwortung.
Gerne skizziere ich unsere konkreten Ansatzpunkte noch einmal als 12 Leitsätze:
- Ein gemeinsames Leitbild entwickeln — damit Prävention, Gesundheitsförderung, Versorgung, Teilhabe und Lebenswelten unter einem gemeinsamen Ziel verbunden werden.
- Akteure frühzeitig und strukturiert beteiligen — damit Erfahrungswissen aus Praxis, Wissenschaft, Versorgung, Kommunen und Zivilgesellschaft bereits in der Konzeptions- und Gesetzgebungsphase einfließt.
- Gesundheitliche Chancengerechtigkeit als Maßstab verankern — damit Prävention besonders dort wirksam wird, wo Belastungen hoch und Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.
- Health in and for All Policies gesetzlich und ressortübergreifend verankern — etwa durch Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen bei relevanten Gesetzesvorhaben und Fortschreibung des Präventionsgesetzes. Dabei zentrale Handlungsfelder ressortübergreifend aufgreifen — etwa Bewegung, psychische Gesundheit sowie Klima und Gesundheit.
- Zivilgesellschaft, Selbsthilfe und Ehrenamt als Gesundheitsressourcen stärken — weil hier täglich Gesundheit, Teilhabe und Zusammenhalt entstehen.
- Lebenswelten, kommunale Strukturen und Übergänge stärken — damit Gesundheit dort ermöglicht wird, wo Menschen leben, lernen, arbeiten, beraten, behandelt, gepflegt und begleitet werden.
- Versorgung gesundheitsförderlicher ausrichten — damit Versorgung nicht nur Krankheit behandelt oder Risiken erkennt, sondern Menschen auch in Gesundheitskompetenz, Bewältigungskompetenz und Selbstwirksamkeit stärkt.
- Evidenzbasierte Verhältnisprävention konsequenter umsetzen — einschließlich WHO-Best Buys und bewährter Maßnahmen zu Tabak, Alkohol und stark zuckerhaltigen Produkten.
- Evidenz, Forschung und Indikatoren passend weiterentwickeln — stärker ausgerichtet auf die Frage, was Menschen gesund hält, Ressourcen stärkt und Teilhabe ermöglicht.
- Finanzierung und Verstetigung sichern — damit wirksame Ansätze nicht in Projektlogiken stecken bleiben, sondern dauerhaft in die Praxis kommen.
- Bestehende Strukturen ressourcenorientiert weiterentwickeln — insbesondere Nationale Präventionskonferenz und Präventionsforum als kontinuierliche Dialog- und Arbeitsstrukturen.
- Gesundheit als Ressource für Teilhabe, Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit verstehen — damit die Präventionsoffensive als Beitrag zu einer handlungsfähigen, solidarischen und widerstandsfähigen Gesellschaft sichtbar wird.