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05.08.2026
Interview mit Vorständin Prof. Dr. Dagmar Starke

„Mir ist Gesundheitsförderung wichtig, weil sie die Demokratie stärkt“

Die BVPG hat auf ihrer Mitgliederversammlung im Mai in Berlin einen neuen Vorstand gewählt. Im Interview beschreibt Prof. Dr. Dagmar Starke, kommissarische Leiterin der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen (AÖGW), welche Schwerpunkte sie in den kommenden drei Jahren setzen möchte.

Porträt Prof.in Dr. Dagmar Starke, Akademie ÖGW
© AÖGW | Noeckel-Petersen

 

Frau Professorin Starke, warum haben Sie erneut für das Amt einer Beisitzerin im BVPG-Vorstand kandidiert?

Die BVPG setzt sich bundesweit mit ihren Mitgliedern für Prävention und Gesundheitsförderung ein. Mir ist das Thema persönlich sehr wichtig, weil Gesundheitsförderung nicht nur das Leben der einzelnen Menschen verbessert, sondern auch unsere Demokratie stärkt. Deshalb will ich mich weiter im Vorstand engagieren.


Wie meinen Sie das?

Wir wissen, dass ungleiche Gesundheitschancen zunehmen und sich verschärfen. Menschen, die ohnehin strukturell benachteiligt sind, haben häufiger mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Das alles ist hinreichend belegt. Außerdem hat die Corona-Pandemie diese Ungleichheit zusätzlich vorangetrieben. Hinzu kommen die aktuellen politischen Entwicklungen oder die anstehenden Reformen im Gesundheitssystem, die Ungleichheit ebenfalls verstärken. Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig wissen. Wir haben kein Erkenntnisproblem, es fehlt auch nicht an Evidenz. Vielmehr gibt es einen Gap zwischen Erkenntnis und Verständnis. Das Wissen kommt oft nicht verständlich genug bei den Menschen an oder wird nicht ausreichend umgesetzt.


Was kann die BVPG tun, um daran etwas zu ändern?

Die BVPG kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten. Wir brauchen nicht nur Evidenzsynthesen, sondern auch eine Form von Storytelling. Damit meine ich, dass es wichtig ist, wissenschaftliche Erkenntnisse in verständliche „Geschichten“ zu übertragen und sie damit im Interesse der Sorge um die Gesundheit aller zu platzieren. Gleichzeitig braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Denn wir erleben derzeit, dass autoritäre und rechtsnationale Strömungen zunehmen und die Situation verschärfen - und darauf müssen wir gemeinsam reagieren.


Können Sie Beispiele nennen, wie sich diese Verschärfung auf die Gesundheit der Menschen auswirkt?

Ja, zum Beispiel wirkt sich die zunehmende Diskriminierung von Menschen mit internationaler Geschichte, selbst wenn sie gleich qualifiziert sind, auf deren Gesundheit aus. Auch Einschränkungen für Geflüchtete, ein rückwärtsgewandtes Frauenbild, wachsende Armut oder Angriffe auf die Wissenschaft wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Hinzu kommt die Stigmatisierung bestimmter Gruppen, etwa von Menschen mit Adipositas.


Was haben Sie sich für die nächsten drei Jahre vorgenommen?

Die Politik muss die Grundlagen für Gesundheit stärken. Dabei sollte sie sich an der Ottawa-Charta orientieren, die in diesem Jahr 40 Jahre alt wird und nichts an Aktualität verloren hat. Im Vorstand der BVPG will ich weiter daran mitarbeiten, dieses Ziel voranzubringen.

Mit unserer Interviewreihe stellen wir den neuen Vorstand der BVPG vor und zeigen, wer unseren Dachverband in den kommenden Jahren mitgestaltet.


Weitere Informationen zum BVPG-Vorstandsteam finden Sie in unserer Übersichtsseite.

Autor/in

Die Fragen stellte Dr. Sabine Glöser im Auftrag der BVPG e.V.