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04.08.2026
Interview mit Vorstand Prof. Dr. Ulrich Reininghaus

„Gesundheitliche Ungleichheit macht weder vor Psyche noch Soma halt“

Auf der Mitgliederversammlung am 18. Mai 2026 in Berlin wurde der BVPG-Vorstand neu gewählt. Nach seiner Wiederwahl als Beisitzer erläutert Prof. Dr. Ulrich Reininghaus, Leiter der Abteilung Public Mental Health am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, warum er erneut kandidiert hat und welche Ziele er für die neue Amtszeit verfolgt.

Porträt Prof. Dr. Ulrich Reininghaus
© Tom Maelsa/tommaelsa.com

 

Herr Professor Reininghaus, warum haben Sie erneut für das Amt eines Beisitzers im BVPG-Vorstand kandidiert?

Mir ist es wichtig, die BVPG gerade in diesen Zeiten multipler Krisen mit meiner Expertise zu unterstützen. Als Leiter der Abteilung Public Mental Health am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim liegt mir vor allem daran, dass wir Maßnahmen ergreifen, die die psychische Gesundheit in den Lebenswelten verbessern - und das als gemeinschaftliche Aufgabe angehen. Gerade für die psychische Gesundheit spielen soziale Faktoren eine große Rolle.


In den letzten Jahren wurde einiges getan, die psychische Gesundheit und Gesundheitskompetenz der Menschen zu stärken. Sehen Sie Fortschritte?

Ja, das stimmt, es hat sich einiges bewegt. Auch in der Prävention von psychischen Erkrankungen gibt es Fortschritte. Allerdings sehen wir auch, dass all diese Anstrengungen von den derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflusst werden. Daher gilt auch für die psychische Gesundheit, dass wir sie als gemeinschaftliche Aufgabe im Sinne des MHiAP-Ansatzes (Mental Health in and for All Policies) verstehen müssen.


Was konkret erfordert der MHiAP-Ansatz?

Er erfordert, dass wir die Lebensbedingungen der Menschen in allen Handlungsfeldern berücksichtigen, um die psychische Gesundheit nachhaltig zu stärken und zugleich deren Nutzen für die Gesellschaft herausstellen. Zudem müssen wir die sogenannten marginalisierten Gruppen noch besser in den Blick nehmen - und zwar bei allen Maßnahmen, mit denen wir die psychische Gesundheit stärken wollen. Nur so lassen sich gesundheitsfördernde Lebenswelten schaffen und gesundheitliche Ungleichheit verringern.


Warum?

Diese Gruppen sind besonders von sozialen und gesundheitlichen Risiken betroffen. Das gilt auch für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, die in besonderem Maße von gesundheitlicher Ungleichheit betroffen sind. Sie haben oft mit zahlreichen, sich gegenseitig verstärkenden Problemen zu kämpfen und sind sozial und gesundheitlich benachteiligt. Die Folge ist, dass sie nicht nur psychisch stärker belastet sind, sondern auch körperlich. Gesundheitliche Ungleichheit macht weder vor Psyche noch Soma halt.


Was schließen Sie aus diesen Erkenntnissen?

Wenn wir die psychische und somatische Gesundheit wirklich stärken und der Multimorbidität und frühzeitiger Mortalität entgegenwirken wollen, müssen wir auf verschiedenen Ebenen unserer Gesellschaft an mehreren Stellschrauben gleichzeitig drehen. Die BVPG bietet eine Plattform dafür, die Heterogenität der Lebensverhältnisse und deren Einfluss auf die Gesundheit zu adressieren.


Was haben Sie sich für die nächsten drei Jahre vorgenommen?

Ich will mich weiter dafür einsetzen, dass wir Gesundheit nicht nur medizinisch denken, sondern sowohl den Einfluss gesellschaftlicher Bedingungen auf die psychische Gesundheit als auch deren Nutzen für die Gesellschaft stärker in den Blick nehmen.


Mit unserer Interviewreihe stellen wir den neuen Vorstand der BVPG vor und zeigen, wer unseren Dachverband in den kommenden Jahren mitgestaltet.

Weitere Informationen zum BVPG-Vorstandsteam finden Sie in unserer Übersichtsseite.