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06.07.2026
Interview mit Schatzmeister Thomas Altgeld

„Ich brenne für mehr gesundheitliche Chancengerechtigkeit“

Die Mitgliederversammlung der BVPG hat am 18. Mai 2026 Thomas Altgeld als Schatzmeister in seinem Amt bestätigt. Im Interview erläutert der Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen, warum er erneut kandidiert hat, wie er die aktuelle gesundheitspolitische Lage einschätzt und was er in den nächsten drei Jahren erreichen will.

Portät Thomas Altgeld
© LVG & AFS Niedersachsen Bremen e.V.

 

Herr Altgeld, warum eigentlich haben Sie nochmal für den BVPG-Vorstand kandidiert?

Als langjähriges und mittlerweile „dienstältestes“ Vorstandsmitglied der BVPG war das kein Selbstgänger für mich. Ich hänge nicht an dem Amt. Aber da sich viele Mitglieder des ehemaligen Vorstandes nicht mehr zur Wahl gestellt hatten und wir mit Dr. Gisela Nellesen-Martens eine neue Geschäftsführerin haben, wollte und will ich für eine gewisse Kontinuität im Übergang sorgen.

Gab es auch fachliche Gründe?

Natürlich! In meinem Hauptamt als Geschäftsführer einer großen Landesvereinigung mit mittlerweile 120 hauptamtlichen Mitarbeitenden in Niedersachsen und Bremen brenne ich für mehr gesundheitliche Chancengerechtigkeit. Ich bin überzeugt, dass Gesundheitsförderung kein läppisches Nice-to-Have in Schönwetterzeiten ist, sondern ein gesellschaftlicher Auftrag, um Menschen mit deutlich geringeren Gesundheitschancen mehr Teilhabe, Wohlbefinden und Gesundheit zu ermöglichen.


Wie bewerten Sie die aktuelle Lage in Sachen gesundheitliche Chancengerechtigkeit?

Aktuell vergrößern sich Gesundheitsunterschiede zwischen besser und schlechter gestellten Bevölkerungsgruppen sogar. Wir erleben gerade einen großen Hype in Selbstoptimierung, Biohacking und Longevity. In Deutschland und weltweit entwickelt sich ein riesiger Zukunftsmarkt der profitorientieren Gesundheitswirtschaft. Vor dem Hintergrund älter werdender Gesellschaften verschiebt sich zudem der Fokus gesundheitspolitischer Diskussionen von der nicht mehr finanzierbaren kurativen Versorgung hin zu Prävention, Resilienz und der Verlängerung gesunder Lebensjahre (Healthspan). Zugleich etabliert sich Gesundheit als Leitmarkt der Wissensökonomie, in dem digitale Technologien, wie Wearables und Self-Tracking, KI-gestützte personalisierte Diagnostik und Präventionsangebote zentrale Innovationsfelder sind. Dieser ganze Markt ist stark kapitalgetrieben und verschiebt Gesundheit in Richtung präventiver Selbstoptimierung.


Was bedeutet das aus sozialstaatlicher Perspektive?

Das heißt, dass neben der solidarisch finanzierten Regelversorgung ein privat finanzierter Longevity-Markt wächst, der stärker individualisierte Optimierungslogiken verfolgt. Dabei entstehen neue Dimensionen von Ungleichheit. Denn Einkommen, Bildung, Geschlecht und Alter entscheiden maßgeblich über den Zugang zu präventiven und technologiebasierten Gesundheitsressourcen.


Wie sollte sich die BVPG dazu positionieren?

Sie sollte weiter dafür kämpfen, dass in den Lebenswelten von benachteiligten und ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen gesundheitsfördernde Strukturen aufgebaut und diese dauerhaft vorgehalten werden. Das ist mir ein zentrales Anliegen. Wir brauchen keine Projektfeuerwerke für gesundheitsbewusste Menschen.


Was brauchen wir stattdessen?

Wir brauchen mehr Verhältnisprävention nach dem Konzept „Health in and for All Policies“. Die Diskussionen und politischen Weichenstellungen müssen weg von dem dominanten Thema Verhaltensprävention und weg davon, Bevölkerungsgruppen zu belehren. Mit klaren Positionen kann die BVPG zu mehr Verhältnisprävention beitragen, beispielsweise bei den Themen Tabak, Alkohol, Bewegung und Zucker. Dafür kämpfe ich in meiner letzten Amtszeit!


Mit unserer Interviewreihe stellen wir den neuen Vorstand der BVPG vor und zeigen, wer unseren Dachverband in den kommenden Jahren mitgestaltet. Weitere Informationen zum BVPG-Vorstandsteam finden Sie in unserer Übersichtsseite.