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03.07.2026
Interview mit Vizepräsidentin Dr. Ellen Lundershausen

„Ich will den längst überfälligen Paradigmenwechsel voranbringen“

Auf der Mitgliederversammlung am 18. Mai in Berlin hat die BVPG einen neuen Vorstand gewählt. Vizepräsidentin Dr. med. Ellen Lundershausen spricht im Interview darüber, warum sie kandidiert hat, wie sie die aktuelle gesundheitspolitische Lage bewertet und welche Ziele sie sich für die kommenden drei Jahre gesetzt hat.

Porträt von Dr. Ellen Lundershausen
© Hoffotografen

 

Frau Dr. Lundershausen, warum eigentlich haben Sie für das Amt der BVPG-Vizepräsidentin kandidiert?

Als Vizepräsidentin der BVPG will ich daran mitwirken, dass Prävention und Gesundheitsförderung künftig eine größere Rolle spielen. Wir stehen vor großen gesundheitspolitischen Herausforderungen: die Gesellschaft altert, chronische Erkrankungen nehmen zu. Überdies ist das Gesundheitssystem nach wie vor zu stark auf die Behandlung von Krankheit ausgerichtet - und zu wenig auf deren Vermeidung.


Woran denken Sie dabei konkret?

Ich denke zum Beispiel an Erkrankungen, die mit einer ungesunden Ernährung, Bewegungsmangel oder Alkohol- und Tabakkonsum in Zusammenhang stehen. Sie prägen in großem Maße das Krankheitsgeschehen in unserer Gesellschaft. Ärztinnen und Ärzte erleben täglich, dass viele Erkrankungen vermeidbar wären oder in ihrem Verlauf günstig beeinflussbar.


Was braucht es dafür?

Wir müssen frühzeitig und systematisch auf Prävention und Gesundheitsförderung setzen. Besonders wichtig ist, dass wir den Fokus auf die Primärprävention legen und so verhindern, dass Krankheiten überhaupt erst entstehen. Dabei muss gelten: Alle Maßnahmen, die wir ergreifen, müssen evidenzbasiert sein.


Welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht essenziell?

Wichtig ist, dass die Menschen gut über Gesundheit informiert sind und von Ärztinnen und Ärzten dazu beraten werden, wie sie gesünder leben können. Doch das allein reicht nicht. Vielmehr müssen wir gesundheitsförderliche Lebensbedingungen schaffen, die es den Menschen erleichtern, im Alltag gesunde Entscheidungen zu treffen und diese auch umzusetzen. Gesundheit entsteht nicht allein im Gesundheitswesen, sondern in den Lebenswelten der Menschen: in den Bildungseinrichtungen, am Arbeitsplatz, in der Umwelt und im sozialen Umfeld. Wir brauchen einen echten Paradigmenwechsel: Prävention muss der Leitgedanke unserer Politik werden. Er reicht von bevölkerungsbezogenen Public-Health-Strategien bis hin zur individuellen Beratung der Menschen in der Arztpraxis.


Wie kann das gelingen?

Das gelingt nur im Zusammenspiel vieler Akteure. Hervorheben will ich insbesondere den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Der ÖGD ist unverzichtbar für eine wirksame, bevölkerungsbezogene Prävention, für Gesundheitsberichterstattung, Aufklärung und die kommunalen Präventionsstrategien. Um Prävention flächendeckend und wirksam gestalten und gesundheitliche Chancengleichheit verbessern zu können, muss der ÖGD nachhaltig gestärkt werden - personell, strukturell und finanziell.


Welche Rolle spielt die BVPG bei dem von Ihnen geforderten Paradigmenwechsel?

Mit ihrer vielfältigen Mitgliedschaft ist die BVPG eine relevante Größe in der Präventionspolitik. Sie setzt mit ihren Positionspapieren und Statuskonferenzen kontinuierlich wichtige Impulse. Ich freue mich darauf, die Stimme der Ärzteschaft in dieser Wahlperiode in die Arbeit des BVPG-Vorstandes einzubringen. Wir brauchen eine engere Verknüpfung zwischen der eher krankheits- und risikoorientierten Ausrichtung in der Versorgung und dem gesundheitsfördernden und ressourcenorientierten Ansatz in den Lebenswelten. Gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern will ich mich aktiv dafür einsetzen, den längst überfälligen Paradigmenwechsel voranzutreiben.


Mit unserer Interviewreihe stellen wir den neuen Vorstand der BVPG vor und zeigen, wer unseren Dachverband in den kommenden Jahren mitgestaltet.

Weitere Informationen zum BVPG-Vorstandsteam finden Sie in unserer Übersichtsseite.