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Interview mit Ulrike Pernack

„Wir brauchen eine an Nutzen und Evidenz ausgerichtete Prävention“

Die BVPG hat auf ihrer Mitgliederversammlung am 18. Mai 2026 in Berlin einen neuen Vorstand gewählt. Vizepräsidentin Ulrike Pernack, Leiterin der Abteilung Gesundheit im Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek), erläutert im Interview, warum sie kandidiert hat, wie sie die aktuelle gesundheitspolitische Lage einschätzt und was sie in den nächsten drei Jahren erreichen will.

Porträt von Ulrike Pernack
© Georg J Lopata

 

Frau Pernack, warum eigentlich haben Sie für das Amt der BVPG-Vizepräsidentin kandidiert?

Auch wenn sich in den letzten Jahren schon einiges verbessert hat, erhalten Prävention und Gesundheitsförderung noch immer zu wenig Aufmerksamkeit. Ihren Stellenwert in der Gesellschaft und Gesundheitspolitik zu stärken, ist mir ein persönliches und berufliches Anliegen. Prävention und Gesundheitsförderung tragen wesentlich dazu bei, die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Sie müssen eine viel höhere Priorität bekommen.

Das wird nicht leicht in einem Gesundheitssystem, das vor großen strukturellen und finanziellen Herausforderungen steht.

Das stimmt, aber genau das ist der Punkt. Wenn ich mir die jährlichen Kosten im deutschen Gesundheitswesen mit knapp 500 Milliarden Euro vor Augen führe und eine Lebenserwartung von durchschnittlich 81,1 Jahren, drängt es mehr denn je, endlich zu handeln. Wir müssen ein Selbstverständnis für einen gesundheitsförderlichen Lebensstil verankern und dazu eben Verhältnisse schaffen, die das ermöglichen. So vermeiden wir unnötige Kosten für Krankheiten oder Folgeerkrankungen. Das muss doch unser Ziel sein: ein zukunftsfähiges Gesundheits- und Gemeinwesen, das Prävention und Gesundheitsförderung in den Mittelpunkt rückt.

Welche Erfahrungen bringen Sie für diese Aufgabe mit?

Mit dem Inkrafttreten des Präventionsgesetzes im Jahr 2015 habe ich im vdek gemeinsam mit den Ersatzkassen begonnen, die Dachmarke „Gesunde Lebenswelten“ zu etablieren. Wir entwickeln mit den Menschen vor Ort sowie einem Netzwerk aus Fachleuten aus Praxis und Wissenschaft bundesweit Projekte und setzen diese um. Wir erreichen die Menschen dort, wo sie leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Zugleich nehmen wir Menschen in den Blick, bei denen Gesundheitsförderung oft noch nicht angekommen ist. Grundsätzlich ermöglicht mir diese enge Zusammenarbeit mit Akteuren in den Ländern, die versorgungspolitischen Debatten auf Bundesebene zu gestalten. Dort kann ich all die wertvollen Erfahrungen einbringen, die wir vor Ort in konkreten Projekten, Kooperationen und Netzwerken gesammelt haben.

Gibt es denn einen Aspekt, der Ihnen besonders wichtig ist?

Ja, ein besonderes Anliegen für mich ist, die gesundheitliche Chancengleichheit zu verbessern. Wir müssen Barrieren abbauen und gezielt Maßnahmen und Strukturen fördern, die gesundheitliche Teilhabe ermöglichen. Das gelingt mit abgestimmten Strategien (Health in All Policies), dem Verständnis, Gesundheit als Querschnittsaufgabe anzunehmen, und einer engen und vernetzten Zusammenarbeit.

In welcher Rolle sehen Sie die BVPG dabei?

Die BVPG ist eine etablierte Partnerin in der Prävention und Gesundheitsförderung. Sie leistet wichtige Arbeit, indem sie Rahmenbedingungen ausgestaltet und relevante Stakeholder vernetzt. Mit mir hat sie nun eine Mitstreiterin mit hoher Motivation und Herzblut in der Sache.

Was wollen Sie in den nächsten drei Jahren erreichen?

Als Vizepräsidentin der BVPG will ich dazu beitragen, dass wir eine konsequent an Nutzen und Evidenz ausgerichtete Prävention und Gesundheitsförderung umsetzen. Um das zu erreichen, müssen alle Akteure ihre Verantwortlichkeiten ernster nehmen und besser zusammenarbeiten. Dabei will ich vor allem die gesundheitliche Chancengleichheit stärker in den Fokus rücken. Eine plural ausgeprägte Akteurskultur ist von zentraler Bedeutung für eine dauerhaft wirksame Gesundheitsförderung: In diesem Zusammenhang ist es mir auch ein Anliegen zur konzeptionellen Weiterentwicklung des von der BVPG jährlich ausgerichteten Präventionsforums sowie der Zusammenarbeit mit der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) beizutragen.