07.07.2026 Gastbeitrag von Katja Schnell und Dr. med. Monika Spannenkrebs
„In Baden-Württemberg haben Gesundheitsförderung und Prävention hohe Priorität“
Gesundheitsförderung und Prävention sind zentrale Bausteine für ein langes und gesundes Leben. In ihrem Blog-Beitrag geben Katja Schnell und Dr. Monika Spannenkrebs vom Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg Einblicke in etablierte Strukturen, strategische Konzepte und die koordinierte Zusammenarbeit zur Stärkung von Gesundheit und gesundheitlicher Chancengleichheit.
Eine gesunde Lebensführung und Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention erhöhen die Chance auf ein langes Leben. In Baden-Württemberg liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt bei 80,0 Jahren für Männer und 84,1 Jahren für Frauen – und damit bundesweit an der Spitze. Dies verdeutlicht, dass Gesundheitsförderung und Prävention einen hohen Stellenwert in Baden-Wüttemberg haben.
Gesundheitsförderung und Prävention gemeinsam in Baden-Württemberg voranbringen
Seit der Verabschiedung der Gesundheitsstrategie im Jahr 2009 entwickelt Baden-Württemberg die Rahmenbedingungen für Gesundheitsförderung und Prävention kontinuierlich weiter. Es wurden nicht nur wichtige Leitplanken wie das Gesundheitsleitbild Baden-Württemberg entwickelt, sondern mit dem Landesgesundheitsgesetz (LGG BW) im Jahr 2015 auch gesundheitsförderliche und präventive Strukturen gesetzlich verankert. Derzeit wird zudem eine Health in All Policies-Strategie entwickelt, um gesundheitsförderliche Aspekte noch stärker ressort- und sektorenübergreifend mitzudenken.
Die Umsetzung von Gesundheitsförderung und Prävention erfolgt in Baden-Württemberg im Zusammenwirken zahlreicher Akteurinnen und Akteure auf Landes- und Kommunalebene. Das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit übernimmt dabei die folgenden Aufgaben: Während Abteilung 5 insbesondere die strategische und strukturelle Weiterentwicklung von Gesundheitsförderung und Prävention verantwortet, übernimmt Abteilung 7 mit dem Landesgesundheitsamt (LGA) die fachliche Steuerung und Unterstützung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie der Kommunalen Gesundheitskonferenzen (KGKen).
Strukturen in Baden-Württemberg zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention
Baden-Württemberg hat über das LGG BW Gremien für eine verbindliche und strukturierte Zusammenarbeit der Akteurinnen und Akteure im Gesundheitssystem etabliert. Dazu gehören der Landesausschuss für Gesundheitsförderung und Prävention (LAGP), die Landesgesundheitskonferenz (LGK), der sektoren-übergreifende Landesausschuss für Gesundheit und Pflege (SLA) sowie die KGKen, die in jedem Stadt- oder Landkreis in Baden-Württemberg eingerichtet wurden und die das Land mit Ressourcen für die Einrichtung einer Geschäftsstelle ausgestattet hat.
Der LAGP entwickelt landesweite Strategien und Programme, erarbeitet Empfehlungen und orientiert sich dabei am Gesundheitsleitbild Baden-Württemberg. Die Umsetzung des Gesundheitsleitbildes wird durch die LGK koordiniert und begleitet. Zudem begleitet der LAGP die Umsetzung der Landesrahmenvereinbarung (LRV) zur Umsetzung der nationalen Präventionsstrategie gemäß § 20f SGB V im Land Baden-Württemberg.
In den KGKen werden kommunale Handlungsbedarfe identifiziert sowie regionale Maßnahmen und deren Umsetzung abgestimmt. Im Idealfall arbeiten Gesundheitsamt und KGK eng zusammen, um eine kreisweite Gesundheitsplanung voranzutreiben.
Umsetzung des Präventionsgesetzes in Baden-Württemberg
Die aus dem Präventionsgesetz des Bundes resultierenden Strukturen wurden in Baden-Württemberg in bestehende Gremien und Strukturen integriert, so dass nur eine eingeschränkte Vergleichbarkeit mit anderen Bundesländern besteht. Beispielsweise existiert in Baden-Württemberg keine Geschäftsstelle für die LRV.
Mit der Umsetzung des Präventionsgesetzes in Baden-Württemberg konnten insbesondere die Förderstrukturen transparenter gestaltet und verbessert werden. Auf Grundlage von § 5 der LRV Baden-Württemberg werden über die bereits bestehende Stiftung für gesundheitliche Prävention Baden-Württemberg kassen- bzw. trägerübergreifende Förderungen ermöglicht. Der aktuelle Förderschwerpunkt bezieht sich auf die Stärkung der Gesundheitskompetenz für vulnerable Gruppen. Die Stiftung für gesundheitliche Prävention Baden-Württemberg ist als Landesstiftung im für Gesundheit zuständigen Ressort angesiedelt, wodurch Synergien genutzt werden können. Gemeinsam mit der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Baden-Württemberg (KGC BW) wurden ergänzende Beratungsangebote entwickelt, um den Zugang zu Fördermitteln zu erleichtern und zugleich die Qualität der Antrags- und Förderprozesse zu sichern.
Stärkung der gesundheitlichen Chancengleichheit
Die KGC BW ist eine Kompetenz- und Vernetzungsstelle für alle Akteurinnen und Akteure der soziallagen-bezogenen Gesundheitsförderung und Prävention und unterstützt diese durch Schulungen, Fachveranstaltungen, Impulsvorträge und Beratung bei der Entwicklung und Umsetzung passgenauer Angebote. Ziel ist es, Maßnahmen für vulnerable Zielgruppen bedarfsgerechter und soziallagenorientierter zu gestalten sowie gesundheitliche Chancengleichheit stärker in Planungsprozessen zu berücksichtigen. Gesundheitliche Chancengleichheit wird dabei als Querschnittsthema weiter gestärkt. Im Fokus stehen Themen wie Einsamkeit, psychische Gesundheit, gendersensible Gesundheitsförderung und Klimaanpassung. Ein zentraler Baustein ist die landesweite Vernetzung, die den Austausch stärkt und die Weiterentwicklung gemeinsamer Ansätze in der Gesundheitsförderung fördert.
Landesgesundheitsamt als fachliche Leitstelle für den ÖGD
Das LGA ist fachliche Leitstelle sowie Rechts- und Fachaufsicht des Öffentlichen Gesundheitsdiensts (ÖGD) in Baden-Württemberg und Bindeglied zwischen den baden-württembergischen Gesundheitsbehörden, der Politik und der Wissenschaft. Das LGA befasst sich mit den Themen Gesundheitsplanung, Gesundheitsförderung/Prävention, Versorgung im ÖGD sowie mit den Themen Kinder- und Jugend-, Zahn- und sexuelle Gesundheit und unterstützt die Gesundheitsämter und Geschäftsstellen der KGKen mit folgenden Bausteinen:
1. Beratung:
Das LGA berät und begleitet die unteren Gesundheitsbehörden in den Stadt- und Landkreisen sowie die Geschäftsstellen der KGKen. Für Gesundheitsförderung und Prävention relevant sind dabei neben dem Gesundheitsschutz die Bereiche Gesundheitsplanung, die kinder- und jugendmedizinischen und zahn-medizinischen Dienste oder die Beratungsstellen gemäß § 19 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) und § 10 des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG).
Über die Kompetenzstelle „Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten“ werden Gesundheitsämter in ihrer Multiplikatorenfunktion unterstützt, Städte und Gemeinden vor Ort bei der Entwicklung und Umsetzung gesundheitsförderlicher Prozesse in der Stadt- und Gemeindeentwicklung zu begleiten. Die Zertifizierung „Gesunden Stadt/Gesunden Gemeinde“ dient dabei der Qualitätssicherung. Die Kompetenzstelle „Sektorenübergreifende Versorgung im ÖGD“ berät die Kreise bei versorgungsbezogenen Fragestellungen und entwickelt Arbeitshilfen und Fortbildungsangebote. Dabei ist der Themenkomplex (Navigationale) Gesundheitskompetenz ein wichtiger Aspekt, der helfen kann, Versorgung besser zu steuern bzw. zu entlasten.
2. Information:
Das LGA informiert die Fachkräfte im ÖGD zu gesetzlichen Änderungen, Handlungsempfehlungen sowie zu neuen (wissenschaftlichen) Erkenntnissen im Bereich der Öffentlichen Gesundheit und den damit verbundenen fachlichen Auswirkungen. Mit dem Gesundheitsatlas Baden-Württemberg und mit Gesundheitsberichten informiert das LGA zur gesundheitlichen Lage der Bevölkerung in Baden-Württemberg.
3. Vernetzung und Zusammenarbeit:
Das LGA vernetzt bei landesweiten Netzwerk- und Austauschtreffen KGK-Geschäftsstellenleitende sowie Fachkräfte des ÖGD z. B. aus der Gesundheitsplanung, Gesundheitsberichterstattung, Gesundheitsförderung/Prävention und sektorenübergreifenden Versorgung. In der Regel findet jährlich das Symposium Gesundheitsplanung statt, bei dem Qualitätsentwicklung und -sicherung und die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis im Fokus stehen. Vernetzung findet außerdem über die Landesgrenzen hinweg statt, wie beispielsweise bei Kongressen und Tagungen oder in bundesweiten Gremien und Netzwerkstrukturen. Das LGA berät auch andere Ressorts und Fachverbände und stellt den Kontakt zur Wissenschaft her, beispielsweise durch den Wissenschaftlichen Beirat.
4. Fortbildung:
Das LGA bietet umfangreiche Fortbildungsangebote zu bevölkerungsmedizinischen bzw. Public Health-Themen. Mit dem Fortbildungsprogramm „Gesundheitsplanung – Kennen, Verstehen und Gestalten“ werden beispielsweise mit 14 Veranstaltungen in vier Modulen relevante Inhalte und Kompetenzen für die Arbeit in der Gesundheitsplanung, Gesundheitsberichterstattung, Gesundheitsförderung und Prävention, den Geschäftsstellen der KGKen sowie der sektorenübergreifenden Versorgung vermittelt.
5. Qualitätssicherung:
Wesentlicher Auftrag des LGA ist die Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der Arbeit der Gesundheitsämter in ihren Kernaufgaben. Mit dem Monitoring Gesundheitsplanung werden beispielsweise Aktivitäten der Gesundheitsämter und KGKen erfasst und transparent gemacht, um Qualitätsentwicklung und -sicherung zu gewährleisten. Die Aktivitäten werden im Gesundheitsatlas veröffentlicht.
Katja Schnell | Seit Mai 2023 Leiterin des Referats 51 Grundsatz, Digitalisierung im Gesundheitswesen, Prävention in der Abteilung 5. Die Diplom-Pädagogin ist seit 2007 für das Land Baden-Württemberg tätig, zunächst in den Bereichen Prävention und Digitalisierung im Gesundheitswesen und im Rahmen der Coronapandemie mit verschiedenen Verantwortlichkeiten (u. a. Teststellen für Reiserückkehrer, Leiterin der Taskforce Impfen).
Dr. med. Monika Spannenkrebs | Seit 2023 Leiterin von Referat 74 in der Abteilung 7 im Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Die Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und für Allgemeinmedizin mit langer Erfahrung in der Patientenversorgung ist seit 2002 im Öffentlichen Gesundheitsdienst tätig. Ein Masterabschluss Public Health mit dem Schwerpunkt Health Administration and Management (HAM) qualifizierte sie weiter. Über sieben Jahre leitete sie ein Gesundheitsamt in einem Flächenlandkreis.
Schwerpunktthemen:
Gesundheitsförderung und Prävention, Health in All Policies
Stiftung für gesundheitliche Prävention Baden-Württemberg
Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Baden-Württemberg
Landesgesundheitskonferenz
Digitalisierung im Gesundheitswesen
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen
Geburtshilfe
Abteilung 7 - Referat 74, Fr. Dr. Spannenkrebs (Referatsleitung)
Schwerpunktthemen:
Gesundheitsplanung
Kommunale Gesundheitskonferenzen
Versorgung im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)
Gesundheitsförderung/Prävention
Kinder- und Jugendgesundheit
STI-Prävention
Gesundheitsberichterstattung
Amtsärztliche Fragestellungen
Weitere Blog-Beiträge aus unserer Reihe „Prävention und Gesundheitsförderung auf Länderebene“ zeigen, wie Prävention und Gesundheitsförderung in den Bundesländern gestaltet und weiterentwickelt werden.
