Interview mit Simone Borchardt
„Prävention braucht eine starke Stimme in der Gesundheitspolitik!“
Die BVPG hat auf ihrer Mitgliederversammlung am 18. Mai 2026 in Berlin einen neuen Vorstand gewählt. Die neue Präsidentin, Simone Borchardt MdB, erläutert im Interview, warum sie kandidiert hat, wie sie die aktuelle gesundheitspolitische Lage einschätzt und was sie in den nächsten drei Jahren erreichen will.
Frau Borchardt, warum eigentlich haben Sie für das Amt der BVPG-Präsidentin kandidiert?
Ich habe mich zur Wahl gestellt, weil es eine starke Stimme für Prävention braucht – eine Stimme, die Wissenschaft, Praxis, Politik und Gesellschaft zusammenbringt. Prävention und Gesundheitsförderung dürfen im Gesundheitswesen nicht länger als Randthema behandelt werden. Sie sind Voraussetzung dafür, dass Menschen gesund leben können, Krankheiten vermieden oder früh erkannt werden und das System noch leistungsfähig, solidarisch und bezahlbar bleibt. Gerade weil die Bevölkerung älter wird, chronische Krankheiten zunehmen und viele Menschen unter Stress und psychischen Belastungen leiden, wird das Thema Prävention immer dringlicher.
Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema Prävention. Welche Erfahrungen nutzen Ihnen in Ihrem neuen Amt?
Das Gesundheitssystem kenne ich aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln: aus der praktischen Arbeit im Gesundheitswesen, in Führungsrollen, aus der parlamentarischen Arbeit und auch im politischen Dialog mit Verbänden, Kassen, Leistungserbringern sowie Patientinnen und Patienten. All diese Erfahrungen will ich nutzen, um neue Impulse für Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland zu setzen.
Was konkret meinen Sie damit?
Ich will die BVPG als fachlich starke, verlässliche und breit vernetzte Plattform repräsentieren. Mir ist wichtig, dass Prävention dort ansetzt, wo Menschen ihren Alltag verbringen: in Familien, Kitas und Schulen, am Arbeitsplatz, in der Pflege, in Kommunen und Quartieren. Gesundheitsförderung gelingt dann am besten, wenn sie nah an den Menschen ist, verständlich erklärt wird und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Entscheidend sind die Lebensbedingungen. Wir müssen in den Blick nehmen, was Gesundheit fördert oder eben erschwert. Besonders wichtig ist mir dabei, dass wir realistisch und zugleich ehrgeizig sind. Prävention soll sich nicht wie ein erhobener Zeigefinger anfühlen, sondern den Menschen dabei helfen, gesund zu leben.
Und wie gelingt das?
Das gelingt, wenn Prävention sozial gerecht ist, für alle Generationen funktioniert und in den Alltag der Menschen passt. Wer Prävention wirklich stärken will, muss die unterschiedlichen Lebenssituationen ernst nehmen, auch den ländlichen Raum im Blick haben und die Kommunen als wichtige Partner einbeziehen.
In welcher Rolle sehen Sie die BVPG bei dieser Aufgabe?
Prävention muss in der Gesundheitspolitik mehr Gewicht erhalten. Dabei kann die Bundesvereinigung eine entscheidende Rolle spielen, indem sie Brücken baut, zwischen Ressorts, Institutionen und den vielen Akteuren, die sich in Deutschland für ein gesundes Aufwachsen, Arbeiten und Altern einsetzen. Diese Rolle halte ich für unverzichtbar.
Warum?
Weil sich die aktuellen Herausforderungen nicht aus einer einzigen Perspektive lösen lassen. Die größte Stärke der BVPG ist die Vielfalt. Bei uns kommen sehr unterschiedliche Akteure zusammen – genau das macht uns relevant.
Was haben Sie sich für die nächsten drei Jahren vorgenommen?
Mein Ziel ist, Prävention in Deutschland wirklich voranzubringen – strategisch, praxisnah und so, dass sie im Alltag der Menschen ankommt. Gemeinsam mit dem gesamten Vorstand und unseren Mitgliedern will ich daran arbeiten, dass Prävention und Gesundheitsförderung in allen Lebensbereichen stärker wirken. Ich habe bei der Mitgliederversammlung im Mai wirklich gespürt, wie viel positive Energie hier zusammenkommt – diese wollen wir gemeinsam nutzen.
