Pressemitteilung
Prävention weiterdenken:
BVPG fordert klare Orientierung für Gesundheitsförderung in Deutschlandt
Bonn, 29. April 2026
Die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) begrüßt das Positionspapier des Wissenschaftsrats „Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft“ als wichtigen Impuls für die Weiterentwicklung von Prävention in Deutschland. In einer aktuellen Stellungnahme greift die BVPG zentrale Empfehlungen auf und formuliert ergänzende Perspektiven dafür, wie Prävention in Deutschland nachhaltig und wirksam weiterentwickelt werden kann.
Im Kern geht es um die grundlegende Frage: Was verstehen wir unter Prävention und Gesundheitsförderung und worauf richten wir sie aus?
Aus Sicht der BVPG sind dabei zwei Aspekte zentral:
Prävention braucht einen grundlegenden Kulturwandel: Gesundheit darf nicht erst dort zum Thema werden, wo Krankheit entsteht oder sichtbar wird. Sie muss als Ressource verstanden werden, die in allen Lebensbereichen gestaltet und gestärkt werden kann: vom Aufwachsen über Bildung und Arbeit bis ins Alter. Dazu gehört auch, Forschung und Förderung stärker darauf auszurichten, was Menschen gesund hält.
Gleichzeitig ist Prävention eine politische und gesamtgesellschaftliche Aufgabe. In Vereinen, Selbsthilfeorganisationen, Bildungsinitiativen, kommunalen Netzwerken, Nachbarschafts- und generationsübergreifenden Initiativen entstehen täglich gesundheitsförderliche Strukturen – oft jenseits des vergüteten Versorgungssystems, aber mit hoher Wirksamkeit im Alltag. Ein wesentlicher Teil wird durch ehrenamtliches Engagement bereits heute getragen. Diese Beiträge sind für Prävention zentral, werden bislang jedoch weder systematisch in Strategien einbezogen noch ausreichend strukturell abgesichert.
„Wir denken Prävention noch immer zu stark von der Krankheit aus. Dabei bedeutet Prävention mehr, als Risiken zu reduzieren. Sie muss die Bedingungen schaffen, damit Menschen ihre Gesundheit entwickeln, erhalten und stärken können – unabhängig von sozialer Lage oder gesundheitlicher Ausgangssituation.“, sagt Dr. Gisela Nellessen-Martens, Geschäftsführerin der BVPG.
Das Positionspapier des Wissenschaftsrats betont die Bedeutung lebensweltbezogener Prävention und das Zusammenspiel von Verhältnis- und Verhaltensprävention. Die BVPG knüpft daran an und macht deutlich: Prävention entfaltet ihre Wirkung vor allem dort, wo Menschen aufwachsen, lernen, arbeiten, leben und älter werden. Dieser lebensweltliche Ansatz ist auch eine Frage gesundheitlicher Chancengerechtigkeit. Denn die aktuelle Ausrichtung des Gesundheitssystems zeigt eine strukturelle Schieflage: Präventive Angebote werden häufig von denjenigen genutzt, die bereits über vergleichsweise günstige gesundheitliche und soziale Voraussetzungen verfügen, während Menschen in belastenden Lebenslagen deutlich seltener erreicht werden. Auch deshalb sollte Prävention stärker auf die Bedingungen ausgerichtet werden, die Gesundheit im Alltag ermöglichen - und nicht erst auf Situationen, in denen Krankheit sichtbar wird.
Um die im Positionspapier des Wissenschaftsrats angestoßenen Impulse wirksam weiterzuentwickeln, plädiert die BVPG dafür, über einzelne Maßnahmen hinauszugehen. Aus ihrer Sicht braucht es eine gemeinsame Verständigung darüber, wie Gesundheit in Deutschland künftig gefördert und gestaltet werden soll: als politische und gesellschaftliche Aufgabe.
Den Dialog zentraler Akteure aus Politik, Wissenschaft, Versorgung und Zivilgesellschaft sieht die BVPG als wichtigen Schritt, um dieses gemeinsame Verständnis zu entwickeln und Ziele, Zuständigkeiten sowie Prioritäten klarer auszurichten. Daran anschließend können bestehende Strukturen ressourcenorientiert weiterentwickelt, besser koordiniert und wirksamer miteinander verzahnt werden. Entscheidend ist, vorhandene Kompetenzen gezielt zu stärken und Ressourcen so einzusetzen, dass Prävention in den Lebenswelten der Menschen nachhaltig wirksam werden kann.
Die vollständige Stellungnahme der BVPG zum Positionspapier des Wissenschaftsrats (PDF) steht auf der BVPG-Website zur Verfügung.
Über die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.
Die BVPG mit Geschäftsstelle in Bonn wurde 1954 gegründet und ist ein gemeinnütziger, politisch und konfessionell unabhängiger Dachverband. 135 Organisationen sind Mitglied der BVPG (Stand: April 2026), darunter vor allem Bundesverbände des Gesundheitswesens, die einen Arbeitsschwerpunkt im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung aufweisen, darunter die Bundesärztekammer, die Spitzenverbände der Krankenkassen sowie Verbände der Heil- und Hilfsberufe, Wohlfahrtsverbände, aber auch Bildungseinrichtungen und Akademien. Die BVPG setzt sich dafür ein, Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland strukturell zu stärken und in allen Politik- und Lebensbereichen wirksamer zu verankern.
Pressekontakt
Inke Ruhe
Wissenschaftliche Referentin
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