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Block III: Verhältnisprävention, lebensweltbezogene und Health in and for All Policies-Ansätze



Aktuelle Maßnahmen in unterschiedlichen Lebenswelten | Good-Practice-Panel


Arbeitswelt und Bewegung - wie können überbetriebliche Netzwerke zur Bewegungsförderung gelingen?


„Überbetriebliche Netzwerke sind ein guter Zugangsweg, um Bewegung und Gesundheit von Beschäftigten zu fördern. Dabei sind jedoch ein modellbasiertes Vorgehen für Planung, Umsetzung und Evaluation sowie systematisches Netzwerkmanagement auf organisationaler und individuumsbezogener Ebene notwendig.“

Prof. Dr. Andrea Schaller |
UniBW München Siebold | Projekt „KomRüBer“

Prof. Dr. Andrea Schaller
© UniBW München
Siebold

Aufgrund der gesundheitswirksamen Effekte von Bewegung ist es nicht überraschend, dass Bewegung das größte Handlungsfeld in der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) ist. Überbetriebliche Netzwerke sind inzwischen als drittes Handlungsfeld in der BGF fest etabliert und adressieren insbesondere die Herausforderungen von Klein- und Kleinstunternehmen in der BGF, indem sie Netzwerke aus mind. drei Akteuren bilden.

Im BMG-geförderten Projekt „KomRüBer“ (Konzeption, Implementierung und Evaluation einer überbetrieblichen Bewegungsnachbarschaft mit dem Angebot einer Multikomponentenintervention zur Bewegungsförderung für Beschäftigte in Klein- und Kleinstunternehmen) wurde im ersten Schritt ein überbetriebliches Netzwerk theoriebasiert aufgebaut und eine Multikomponentenintervention zur Bewegungsförderung partizipativ entwickelt. In der nachfolgenden Umsetzungsphase wurde diese realisiert und evaluiert. Für die Projektevaluation wurde ein Wirkungsmodell (Logic Model) entwickelt. Die Evaluation wurde als Mixed-Methods Ansatz mittels quantitativer (Querschnitt) und qualitativer Methoden (Leitfadeninterviews) sowie einer Sozialen Netzwerkanalyse (SNA) durchgeführt.

Im Projektverlauf erwies sich sowohl aus praxisbezogener als auch aus wissenschaftlicher Perspektive eine systematische und modellbasierte Vorgehensweise als unerlässlich. In diesem Zusammenhang wurde deutlich, dass es einer entsprechenden personellen „(Bewegungsnachbarschafts-)Management-Rolle“ bedarf, um den systematischen Aufbau und die Nachhaltigkeit überbetrieblicher Netzwerke sicherzustellen. Ein entsprechendes Tätigkeits- und Kompetenzprofil für zukünftige Bewegungsnachbarschaftsmanager und managerinnen konnte im Rahmen des Projektes ausgearbeitet werden. Gleichermaßen erwies sich der partizipative Ansatz bzw. das multidirektionale Transferverständnis als wesentlicher Gelingensfaktor, was die Notwendigkeit der Berücksichtigung entsprechender zeitlicher und ggf. finanzieller Ressourcen im Rahmen der Projektplanung unterstreicht. Im Hinblick auf die dringend notwendige Evidenzentwicklung im Feld der BGF ist eine wissenschaftlich fundierte, aber mehrperspektivische Evaluation auf Grundlage der evidenzbasierten Medizin (externe Evidenz, Praxisexpertise, Werte und Präferenzen der Zielgruppe) dringend notwendig.

Insgesamt konnte ein anwendungsorientierter Ansatz zur Bewegungsförderung im überbetrieblichen Setting erprobt und Förderfaktoren sowie Barrieren bei der Implementierung identifiziert werden.


Univ.-Prof. Dr. Andrea Schaller | Professorin für Gesundheit, Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und Prävention an der Universität der Bundeswehr München. Sie beschäftigt sich in ihrer Forschung unter anderem mit Fragen der Evidenzentwicklung sowie der Entwicklung und Evaluation komplexer Interventionen in der BGF.


Weitere Informationen und Ergebnisse zum Projekt „KomRüBer“:

Schaller A, Hoffmann C. Überbetriebliche Bewegungsförderung: Konzeption, Implementierung und Evaluationsansätze. Ein Leitfaden für Akteur*innen der Betrieblichen Gesundheitsförderung. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Praevention/Leitfaden/Leitfaden_KomRueBer.pdf

Schaller A, Hoffmann C. (2022). Abschlussbericht - Konzept, Umsetzung und Evaluation einer überbetrieblichen Bewegungsnach- barschaft unter Nutzung kommunaler und regionaler Strukturen. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Praevention/abschlussbericht/Abschlussbericht_KomRueBer.pdf

Gernert M, Fohr G, Schaller A (2024). Network development in workplace health promotion - empirically based insights from a cross-company network promoting physical activity in Germany. BMC Public health. 24, 1560.

Gernert M, Schaller A (2023). Experiences in the application of logic models in the context of workplace health promotion - a focus group study. Evaluation and Program Planning. Oct:100:102347. Doi: 10.1016/j.evalprogplan.2023.102347

Hofmann C, Schaller A (2022). Evaluation of the Communication Strategy for Promoting Physical Activity in a Cross-Company Network in Germany: A Mixed-Methods Analysis. Frontiers in Public Health. //doi.org/10.3389

Schaller A, Fohr G, Hoffmann C, Stassen G, Droste-Franke .B (2021). Supporting Cross-Company Networks in Workplace Health Promotion through Social Network Analysis - Description of the Methodological Approach and first Results from a Model Project on Physical Activity Promotion in Germany. International Journal of Environmental Research and Public Health, 18. 6874. DOI: https:// doi.org/10.3390/ijerph18136874

Schaller A, Hoffmann C (2021). Impact Model-Based Physical Activity Promotion at the Workplace: Study Protocol for a Mixed-Methods Study in Germany (The KomRueBer Study). International Journal of Environmental Research and Public Health, 18(11), 6074. https://doi.org/10.3390/ijerph18116074

Hoffmann C, Stassen G, Schaller A. (2020) Theory-based, participatory Development of a Cross-Company Network Promoting Physical Activity in Germany: A Mixed- Methods Approach. International Journal of Environmental Research and Public Health, 17(23), 8952; https://doi.org/10.3390/ijerph17238952



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