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Grußwort des Bundesministeriums für Gesundheit



Grußwort zur 24. Statuskonferenz der BVPG
am 12. November 2025

Es gilt das gesprochene Wort


„Bewegungsförderung ist ein gesundheitspolitisch zentraler Aspekt der Gesundheitsförderung und Prävention. Ein körperlich aktiver Lebensstil beugt nicht nur chronischen, nichtübertragbaren Erkrankungen vor, sondern reduziert auch das Risiko vorzeitiger Erwerbsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit. Die begonnenen Prozesse zur besseren Nutzung des Potentials von Bewegung wollen wir fortführen und verstetigen. Denn in der Prävention kommen wir nur weiter, wenn wir über alle Politikbereiche, Sektoren und Ebenen hinweg zusammenarbeiten und gemeinsam einen Mehrwert schaffen.“

Dr. Silke Heinemann |
Leiterin der Abteilung „Prävention, Krankheitsbekämpfung, Öffentliche Gesundheit“ im Bundesministerium für Gesundheit



Dr. Silke Heinemann, Leiterin der Abteilung »Medizin- und Berufsrecht, Prävention« im Bundesministerium für Gesundheit
© BMG/Jan Pauls

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Frau Dr. Nellessen-Martens,

Ich freue mich sehr, dass wir uns heute auch auf diesem Wege kennenlernen. Ich bin wirklich beeindruckt von der großen Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das ist natürlich auch dem digitalen Format zu verdanken. Gleichzeitig bin ich sehr froh über die Gestaltung der heutigen Tagung, die ja nicht nur aus Vorträgen besteht, sondern auch Raum für Diskussionen bietet, an denen wir als Bundesgesundheitsministerium - unter anderem durch Frau Dr. Ute Schwartz - beteiligt sein werden. Vielen Dank daher für die Einladung.

In der Abteilung 3, die bisher für zielgruppenspezifische Prävention und nichtübertragbare Krankheiten zuständig war - ich nenne hier beispielhaft den Nationalen Aktionsplan IN FORM - sind aktuell neue Aufgaben hinzugekommen. Das Thema Bewegung, das heute Gegenstand dieser Statuskonferenz ist, ist jedoch geblieben. Mehr noch: Ich wage zu behaupten, dass dieses Thema aufgrund aktueller Entwicklungen in der Zukunft eine deutlich stärkere Rolle spielen wird. Insofern kommt diese Statuskonferenz genau zur richtigen Zeit. Ich danke Ihnen sehr, dass wir heute die Gelegenheit haben, dies gemeinsam zu würdigen - und damit danke ich auch allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die mit ihrer Anwesenheit zeigen, wie groß das Interesse an dem Thema Bewegung ist.

Ich möchte noch etwas hervorheben: Ich finde das Programm außerordentlich gelungen, weil wir am konkreten Thema Bewegung und Sport zeigen können, wie Prävention, Krankheitsvermeidung sowie Verhaltens- und Verhältnisprävention zusammenwirken und vorangebracht werden können. Es ist nicht die erste Statuskonferenz zu diesem Thema, aber ich finde, dass sich in den letzten fünf Jahren sehr viel getan hat.

Ich sehe viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter wieder, etwa aus dem Bundesministerium für Verkehr oder aus dem organisierten Sport, insbesondere dem Deutschen Olympischen Sportbund. Das macht diese Veranstaltung auch für uns als Bundesgesundheitsministerium sehr motivierend. Wir werden später noch berichten, was wir in den vergangenen Jahren im Bereich Bewegung konkret vorangetrieben haben.

Lassen Sie mich an dieser Stelle auch zwei Institutionen ausdrücklich würdigen, die direkt nach den Grußworten sprechen werden: das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit und das Robert Koch-Institut. Mit diesen beiden Bundesoberbehörden haben wir sehr starke Partner, wenn es um Gesundheitsberichterstattung, Datenanalysen und vor allem um die notwendigen Maßnahmen geht, die aus diesen Daten folgen. Dieser Dreiklang zwischen dem Bundesministerium für Gesundheit, dem BIÖG und dem RKI ist aus meiner Sicht von zentraler Bedeutung.

Für mein heutiges Grußwort habe ich einige Inhalte noch einmal herausgearbeitet, die wir gemeinsam mit dem RKI erarbeitet haben. Manche Fakten kann und sollte man mehrfach hören. Dazu gehört vor allem die Frage, warum wir uns so intensiv mit dem Thema Bewegung im Kontext von Gesundheit und Sport befassen müssen.

In der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion liegt der Schwerpunkt stark auf der Beitragsstabilität: Wie finanzieren wir unser Gesundheitssystem in Zukunft? Wie sichern wir Fachkräfte? Das Thema Prävention taucht in den Schlagzeilen derzeit vielleicht noch nicht oft genug auf. Mit vereinten Kräften wird sich das ändern.

Ich kann Ihnen jedenfalls versprechen, dass wir in der Abteilung 3 - auch in der Umsetzung des Koalitionsvertrages - weiterhin Motor für Prävention sein werden. Gerade am Thema Bewegung lässt sich das sehr konkret festmachen.

Wir wissen, dass es im Vergleich zu den Bewegungsempfehlungen einen weit verbreiteten Bewegungsmangel gibt. Bei Kindern und Jugendlichen betrifft das 74 Prozent, und auch bei Erwachsenen ist der Anteil derjenigen, die sich zu wenig bewegen, erheblich. Gleichzeitig ist in der breiten Öffentlichkeit noch nicht ausreichend verankert, wie wichtig Bewegung für die Gesundheit ist, möglicherweise sind die Bewegungsempfehlungen nicht allen bekannt. Es geht darum, einerseits den Handlungsbedarf klar zu benennen und andererseits zu verdeutlichen, dass es neben der Ernährungspyramide auch eine Bewegungspyramide gibt, die aufzeigt wie körperliche Aktivität im Alltag gelingen kann. Das sind Ziele, die uns auch in Zukunft weiter, konkreter und aktueller beschäftigen werden.

Dass Bewegung einen hohen Nutzen für die körperliche Gesundheit, für das Wohlbefinden, für die Verringerung von Krankheiten und für die Prävention hat - und damit langfristig auch Einsparpotenziale im Gesundheitswesen eröffnet -, ist Ihnen allen hier sicherlich bestens bekannt. Dennoch ist es wichtig zu betonen, dass dies für alle Lebensphasen gilt. Wenn wir diese Lebensphasen betrachten, sehen wir, dass Bewegung und Sport jeweils unterschiedliche Schwerpunkte haben.

In der frühkindlichen Entwicklung ist Bewegung zentral, um Kindern Räume zu eröffnen, Selbstwirksamkeit zu erfahren und gesund aufzuwachsen. In späteren Lebensphasen ist es besonders sinnvoll, den Sport stärker einzubinden, vor allem den organisierten Sport und die Vereine. Sie tragen dazu bei, Sport als etwas Positives, Spaßmachendes und zugleich Gesundheitsförderndes im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern. In höheren Lebensphasen, wenn die Fragilität zunimmt, gewinnt Bewegung erneut an Bedeutung, etwa um möglichst lange Gesundheit zu erhalten und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.

Diese Aspekte und die damit verbundenen unterschiedlichen Schwerpunkte, Rollen und Akteure sowie die konsequente Nutzung von Vernetzungsmöglichkeiten haben uns in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt. Damit bin ich bei einem zentralen Punkt, den wir heute erneut platzieren möchten: dem Runden Tisch Bewegung und Gesundheit. Mit dem Konsenspapier und dem gemeinsamen Prozess, den wir dort mit vielen Partnerinnen und Partnern - von denen viele heute hier vertreten sind - vorantreiben, haben wir ein wichtiges Instrument geschaffen.

Jetzt ist es an uns im Bundesministerium für Gesundheit, diesen Prozess zu verstetigen. Die Haushaltsbedingungen der letzten zwei Jahre waren nicht einfach, aber ich kann Ihnen zusichern, dass wir diesen Weg mit Kreativität und Engagement weitergehen werden.

Zu Themen wie Bewegungsempfehlungen, vielversprechenden Maßnahmen, Vernetzung, der Einbindung weiterer Akteure und vor allem der Wirkung bei den Zielgruppen, die wir erreichen wollen, werden wir künftig noch intensiver gemeinsam arbeiten. Frau Dr. Schwartz wird später in der Veranstaltung darauf näher eingehen und auch für Fragen zur Verfügung stehen.

Mir ist wichtig, zum Abschluss noch einmal das gemeinsame Ziel dieser Veranstaltung zu betonen. Ich danke der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung sehr dafür, dass sie dieses Thema aufgegriffen hat, um seine Sichtbarkeit zu erhöhen. Gleichzeitig ist diese Konferenz ein weiterer Meilenstein in der Vernetzung der beteiligten Institutionen. Entscheidend bleibt jedoch das gemeinsame Vorangehen, um unsere Zielgruppen zu erreichen und wirksame Verhältnisprävention für die gesamte Bevölkerung zu gestalten.

Ich bin sicher, dass wir uns bei nächster Gelegenheit wiedersehen. Ich würde mir wünschen, dass jede und jeder diese Veranstaltung mit einem eigenen Plan verlässt, wo wir in den nächsten fünf Jahren hinwollen - und dass wir darüber weiterhin gemeinsam im Gespräch bleiben.

Vielen Dank.


Silke Heinemann studierte an der Humboldt-Universität Sozialwissenschaften und promovierte in Verwaltungswissenschaften an der Universität Bamberg. Von 2001 bis 2019 war sie in verschiedenen Funktionen im Gesundheitsministerium des Landes Rheinland-Pfalz tätig. Zunächst im Leitungsstab, später als Referatsleiterin für Krankenhausplanung und dann als Abteilungsleiterin für Gesundheit. In dieser Funktion wechselte sie 2019 in die Freie und Hansestadt Hamburg, wo sie bis 2024 das Amt für Gesundheit leitete. Seit Februar 2024 ist sie als Abteilungsleiterin für „Prävention, Krankheitsbekämpfung, Öffentliche Gesundheit" im Bundesgesundheitsministerium tätig.



Weitere Informationen zur BVPG-Statuskonferenz „Bewegung, Sport und Gesundheit“ finden Sie hier.