Nachhaltige Ökonomie

Donut-Modell: Wohlstand im ökologischen und sozialen Gleichgewicht

Das Wirtschaftsmodell der Donut-Ökonomie soll auf der kommunalen Ebene in Deutschland bekannter werden – dieses Ziel verfolgt die Studie „Die Donut-Ökonomie als strategischer Kompass“ der PD - Berater der öffentlichen Hand GmbH und des Deutschen Instituts für Urbanistik gGmbH (Difu).

Das weltweit vorherrschende Wirtschaftssystem basiert auf Wachstum. Vor dem Hintergrund der begrenzten Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen und im Hinblick auf eine größere soziale Gerechtigkeit schlägt die britische Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth ein alternatives Modell vor: die Donut-Ökonomie.

Das Ziel der Donut-Ökonomie ist es, vom unbegrenzten Wachstum zum Wohlstand im ökologischen und sozialen Gleichgewicht zu gelangen. Raworth (2018) nimmt an, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Indikator für die Erfassung des wirtschaftlichen Fortschritts eines Landes nicht ausreichend ist. Vielmehr bedarf es laut Raworth eines Indikatoren- und Wirtschaftssystems, das auf das menschliche Wohlergehen ausgerichtet und entsprechend in Öko- und Sozialsysteme eingebettet ist.

Mit dem Donut-Modell wird das wachstumsorientierte ökonomische Modell um Öko- und Sozialsysteme erweitert.

Das Modell in Form eines amerikanischen Süßgebäcks, dem Donut, visualisiert dabei die sozialen Grenzen nach innen und die planetaren, ökologischen Grenzen nach außen. Zwischen diesen beiden Grenzen liegt der ökologisch sichere und sozial gerechte Bereich.


Umsetzung des Donut-Modells auf kommunaler Ebene

Die Donut-Ökonomie kann auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene angewendet werden. Auf der Grundlage der Publikation von Raworth wurden unter Federführung des „Doughnut Economics Action Labs (DEAL)” zahlreiche Methoden zur Anwendung der Donut-Ökonomie in den verschiedensten Bereichen entwickelt.

Wenngleich kommunal bislang kaum bekannt ist, erweist sich die Donut-Ökonomie in vielen internationalen (z. B. in Amsterdam, Brüssel oder Kopenhagen) und auch in den wenigen deutschen Praxisbeispielen als flexibles Modell auf dieser Ebene. In Berlin (Donut4Berlin), Frankfurt am Main (Frankfurt Doughnut Coalition) oder Hamburg (Doughnut Coalition Hamburg) wurde die Donut-Ökonomie fast ausschließlich aus der Zivilgesellschaft heraus initiiert. In Bad Nauheim wurde der Prozess seitens der Stadt gestartet. Alle Initiativen wurden 2020 oder 2021 begonnen.

Die PD-Impulse-Studie „Die Donut-Ökonomie als strategischer Kompass”, welche die PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Urbanistik gGmbH (Difu) erstellt hat, möchte vor allem auf internationaler Ebene entwickelte und erprobte Methoden des Wirtschaftsmodells den Kommunen in Deutschland zugänglich machen sowie Handlungsempfehlungen geben. Für die kommunale Ebene ist dabei insbesondere die City-Porträt-Methode von großer Relevanz. Mit dieser Methode werden das soziale Fundament und die ökologische Decke des Donut-Modells in vier „Linsen” übersetzt (z. B. die lokal-ökologische Linse). Diese Methode unterstützt den Strategie- und Zielfindungsprozess einer gesamtstädtischen nachhaltigen Entwicklung.


Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit

Die Studienergebnisse zeigen: Das Donut-Modell ist geeignet, „die kommunale Steuerung und Entscheidungsfindung strategisch und wirkungsorientiert auszurichten, Aspekte der Nachhaltigkeit und der sozialen Gerechtigkeit werden von Anfang an zusammen gedacht. Das Modell ist anschlussfähig an bestehende Konzepte wie die Sustainable Development Goals (SDGs) und hilft bei der Visualisierung komplexer Zusammenhänge. Er lädt zum ganzheitlichen Denken ein und aktiviert die Zivilgesellschaft.” (Schlüter et al., 2022, S. 3)


Hier finden Sie die PD-Impulse-Studie „Die Donut-Ökonomie als strategischer Kompass” der PD - Berater der öffentlichen Hand GmbH in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Urbanistik gGmbH (Difu) (PDF).


BVPG-Blog: Ökonomie des Wohlergehens

Wie bedeutsam neue ökonomische Modelle für die Weiterentwicklung des Handlungsfeldes Prävention und Gesundheitsförderung — auch auf kommunaler Ebene — sind, betont auch Caroline Costongs, Direktorin von EuroHealthNet und Keynote-Speaker der BVPG-Statuskonferenz zum Thema „Die Bedeutung des ÖGD für die kommunale Prävention und Gesundheitsförderung”, die in Kooperation mit der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf (AÖGW) am 23. Juni 2022 durchgeführt wurde.

Caroline Costongs erläutert im Interview mit der BVPG das Potenzial der „Ökonomie des Wohlergehens” — ein Modell, das unmittelbar anschlussfähig an Kate Raworth`s Donut-Modell ist.

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