Qualitätssicherung quartiersbezogener Gesundheitsförderung

Dokumentation kommunaler Gesundheitsförderung

Der Fragebogen "Kapazitätsentwicklung im Quartier" (KEQ) dient der Evaluation und Qualitätsentwicklung von quartiersbezogener Gesundheitsförderung und wurde in Deutschland erstmals im Präventionsprogramm „Lenzgesund“ angewendet. Im Zuge seiner Entwicklung ist der „Dokumentationsbogen für Gesundheitsförderungsaktivitäten“ entstanden, der Praktikerinnen und Praktikern der kommunalen Gesundheitsförderung kostenfrei zur Verfügung steht.

Auch Projekte der Prävention und Gesundheitsförderung müssen qualitativen Standards entsprechen, um u. a. Nachweise über das Eintreten gewünschter Interventionsergebnisse zu generieren. Den Erfolg quartiersbezogener Gesundheitsförderung messbar nachzuweisen ist schwierig. Eine Möglichkeit ist der Fragebogen "Kapazitätsentwicklung im Quartier" (KEQ). Der Fragebogen basiert auf Vorarbeiten aus dem angloamerikanischen Raum, die in den 2000er Jahren für den deutschsprachigen Raum adaptiert wurden. Er wurde seither kontinuierlich weiterentwickelt. Es handelt sich um einen Fragebogen zur Erfassung der "Kapazitätsentwicklung" ("capacity building") vor Ort durch ein Selbstbeurteilungsverfahren. KEQ legt den Schwerpunkt auf die Strukturqualität und deckt somit auch Veränderungen im Quartier auf.

Präventionsprogramm "Lenzgesund"

Die Entwicklung des KEQ startete 2001 in der Lenzsiedlung, einem Stadtteil in Hamburg, im Rahmen des Präventionsprogramms "Lenzgesund" mit einer ersten Langfassung des Fragebogens mit 52 Items.

"Lenzgesund" ist ein Programm zur Entwicklung gesundheitsförderlicher Lebensbedingungen im sozial benachteiligten Quartier Lenz in Hamburg. Dabei handelt es sich um eine "komplexe Intervention", die über ein bloßes Angebot verhaltensorientierter Angebote (z. B. Kurse zu gesunder Ernährung) hinausgeht. Die Intervention findet auf verschiedenen Ebenen in einem Setting statt: sowohl bei institutionellen Akteuren (Einrichtungen und Organisationen) als auch direkt bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers.

"Lenzgesund" erfüllt damit ein wichtiges Kriterium, um den KEQ überhaupt anzuwenden, denn es muss bereits eine Vernetzung der Akteurinnen und Akteuren eines Quartiers mit dem gemeinsamen Ziel der Verbesserung der Lebensqualität unter gesundheitsförderlichen Aspekten bestehen. (Lorentz et al., 2019).

Die Federführung des Programms oblag dem Gesundheitsamt Hamburg-Elmsbüttel. Das Institut für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat im Rahmen des Förderschwerpunkts des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) "Präventionsforschung" das Programm wissenschaftlich begleitet.

2014 erhielt das Präventionsprogramm "Lenzgesund" den "Qualitätspreis der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen 2014". Einzelne Maßnahmen des Präventionsprogramms "Lenzgesund" konnten über das Programmende hinaus im Quartier Lenz etabliert werden.

Was sind die Vorteile des KEQ?

Durch KEQ werden Informationen zu einer Vielzahl von Items bzw. Aspekten generiert, die für die quartiersbezogenen Gesundheitsförderung bedeutsam sind. Die Zusammenfassung von Aspekten zu den fünf Dimensionen Gesundheitsversorgung, vorhandene Ressourcen, Vernetzung/Kooperation, Bürgerbeteiligung und verantwortliche lokale Führung ergibt einen Mehrwert an Information: damit werden empirisch basierte Aussagen zu strukturellen Erfolgsvoraussetzungen von quartiersbezogener Gesundheitsförderung möglich.

Zusammengefasst sind die Vorteile des KEQ: theoretische und methodische Fundierung, geringe Kosten, moderater Aufwand bei der Planung und Durchführung der Befragung, knappe und gut visualisierbare Ergebnisse (Nickel & Trojan, 2021).

"KEQ - besonders in seiner letzten gekürzten und vereinfachten Version - sollte daher einen festen Platz im Kanon der empfehlenswerten Evaluierungs- und Qualitätsentwicklungsinstrumente behalten und weitere Chancen zur Anwendung bekommen." (Nickel & Trojan, 2021, S. 7).

Alle KEQ-Materialien (Fragebogen in Lang- und Kurzform, Fragebogen in Einfacher Sprache, Liste für Schlüsselpersonen, Musteranschreiben, Beispielbericht, Beispielfoliensatz und Daten für das Auswertungsprogramm SPSS) stehen auf der Website des Instituts für Medizinische Soziologie kostenfrei zum Download bereit.

Eine Übersicht über generische bzw. settingübergreifende Qualitätsinstrumente, zu dem auch KEQ gehört, bietet das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen.

Dokumentationsbogen von Gesundheitsförderungsaktivitäten

Um die Qualität von KEQ in den verschiedenen Entwicklungsphasen bis zu seiner heutigen Fassung zu überprüfen, wurde das Instrument "Dokumentation von Gesundheitsförderungsaktivitäten" vom Institut für Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickelt. Das Instrument hat aber auch eine eigenständige von KEQ unabhängige Dokumentationsfunktion.

Dieser zweiseitige Dokumentationsbogen kann von einer einzelnen Einrichtung bzw. von den Durchführenden eines einzelnen Angebots zur Selbstkontrolle genutzt werden. Es soll Kommunen helfen, einen Überblick über die Anzahl und Qualität gesundheitsrelevanter Angebote zu bekommen. Das Entwicklerteam (Christian Lorentz und Prof. Dr. Dr. Alf Trojan) empfiehlt eine Bestandsaufnahme gemeinsam mit mehreren Einrichtungen des lokalen Umfelds durchzuführen, beispielsweise an einem "Runden Tisch". Er zielt auf die Erfassung und Unterstützung integrierter Handlungsstrategien ("Präventionsketten") und ähnlich umfassender lokaler Health in All Policies-Ansätze.

Alle Aktivitäten (Kurse, Gruppen, Exkursionen, etc.) werden von den Durchführenden selbst dokumentiert. Diese Dokumentation sollte am Ende eines Kalendervierteljahres durchgeführt werden, so die Empfehlung. Als zeitnahe Retrospektive lässt sie sich gut zur Reflexion der eigenen Praxis nutzen.

Es ist oftmals schwierig, Gesundheitsförderung eindeutig einzugrenzen. Im Dokumentationsbogen wird deshalb mit Hilfe einer Skala die Intensität des gesundheitsförderlichen Charakters einer Aktivität abgefragt.


Der Dokumentationsbogen "Standarddokumentation - Dokumentationsbogen" steht auf der Website des Instituts für Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) unter "Materialien für die Dokumentation von Gesundheitsförderung" zum kostenfreien Download zur Verfügung.

Der Dokumentationsbogen ist noch nicht systematisch erprobt worden. Das Entwicklerteam nimmt deshalb gerne Rückmeldungen entgegen, um das Instrument weiter optimieren zu können und "um zu einem Verfahren zu kommen, das für Planung und Monitoring kommunaler Gesundheitsförderung, möglichst einheitliche Präventionsberichterstattung sowie weitere evaluative Analysen geeignet ist." (Lorentz & Trojan, 2021)


Für weitere Auskünfte steht Christian Lorentz (E-Mail: cegalo@gmx.de) zur Verfügung. Er ist ehemaliger Mitarbeiter der Freien und Hansestadt Hamburg, Bezirksamt Eimsbüttel, Gesundheitsamt und ehrenamtlich aktiv im Vorstand von Lenzsiedlung e.V. - Verein für Kinder, Jugend und Gemeinwesen. Prof. Dr. Dr. Alf Trojan ist ehemaliger Leiter des Instituts für Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

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