Pflegende Angehörige im Fokus

Angebote zur Förderung der Gesundheit pflegender Angehöriger

In Deutschland steigen sowohl die Zahl der Pflegebedürftigen als auch die Anzahl der pflegenden Angehörigen. Pflegende Angehörige haben eine große Verantwortung, stehen unter einer hohen Belastung und gelten als vulnerable Dialoggruppe, denen Angebote zur körperlichen sowie vor allem zur psychischen Gesundheit bereitgestellt werden müssen.

Vier von fünf Pflegebedürftigen, das sind 80 Prozent bzw. 3,3 Millionen Menschen in Deutschland, wurden 2019 zu Hause versorgt. Davon wurden knapp 2 Millionen Pflegebedürftige von Angehörigen gepflegt. Insgesamt sind im Dezember 2019 4,1 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Im Vergleich zu 1999 hat sich die Anzahl verdoppelt (Statistisches Bundesamt (Destatis), 2020). 

Familiencoach Pflege der AOK

Angehörige zu Hause zu pflegen, kann sehr belastend sein - körperlich wie seelisch. Zeit für die eigenen Probleme ist oft zu knapp. Wie belastend, zeigt der Pflege-Report 2020 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Rund ein Viertel aller Pflegehaushalte fühlen sich zeitlich und emotional gestresst von der heimischen Pflege. Krankenkassen, wie beispielsweise die AOK, bieten Unterstützung für pflegenden Angehörigen an.


NRW: Gesundheitsschutz für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige, die die Pflege nicht erwerbsmäßig ausüben, sind gesetzlich unfallversichert. Die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen beispielsweise informiert zur Prävention, Gesundheitsförderung und zum Gesundheitsschutz pflegender Angehöriger in ihrem Internetangebot "Zu Hause pflegen" und bietet vielfältige Unterstützung an. Zur Gesundheitsförderung pflegender Angehöriger finden sich auf dem Internetportal "Zu Hause pflegen" u.a. Videos mit Yoga- und Fitnessübungen sowie Körper- und Sinnesreisen. Es werden Übungen vorgestellt, die leicht in den Alltag integriert werden können. Im Bereich "Gesundheitsschutz" finden pflegende Angehörige zudem viele wichtige Informationen, wie z.B. Notfallnummern und praktische Hinweise zu Fragen bei körperlicher oder psychischer Überlastung oder was bei Konfliktsituationen innerhalb der Familien getan werden kann. Im Bereich "Organisation" stehen Hilfen und Materialien wie Tagespläne zum Download zur Verfügung.

Pflegenden Angehörigen wird auf der Plattform der UK NRW empfohlen, sich ein Netzwerk aus unterstützenden Personen und Institutionen aufzubauen. Auch hierfür bietet das Portal Vorlagen, die heruntergeladen, ausgefüllt und bei Bedarf ausgedruckt werden können.

Zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege stehen den pflegenden Angehörigen ebenfalls ein hilfreiches Informationsangebot und Handreichungen zur Verfügung.

Im Bereich "Informationen aus Kommunen in NRW" finden pflegende Angehörige Zugang zu den Pflege- und Entlastungsangeboten mit Ansprechpartnerinnen und -partnern der Städte in Nordrhein-Westfalen. Eine interaktive Handlungshilfe zur Organisation und Planung der häuslichen Pflege steht ebenfalls für pflegende Angehörige zur Verfügung. Auch Termine für kostenlose Seminare und Veranstaltungen rund um das Thema pflegende Angehörige und zum Gesundheitsschutz werden auf dem Portal bereitgestellt.

In der Mediathek finden sich alle Broschüren, Handlungshilfen und Videos übersichtlich gesammelt. Auch zum Themenfeld "Hospizarbeit und Palliative Care" werden weiterführende Informationen bereitgestellt.

Hier finden Sie die Plattform der UK NRW "Zu Hause pflegen". 


Hamburger Angehörigen-Ambulanz

Auch in Kliniken gibt es Angebote für pflegende Angehörige. Beispielsweise in Hamburg: Dort gibt es die Hamburger Angehörigen-Ambulanz der Asklepios Klinik. Sie ist offen für alle Angehörigen, die sich durch Betreuung oder Pflege eines erkrankten Familienmitglieds seelisch belastet fühlen und Unterstützung wünschen. Dabei spielen die Art der Erkrankung des Pflegebedürftigen (Schlaganfall, Parkinson, Tumor, Demenz etc.) und das verwandtschaftliche Verhältnis keine Rolle.

In der Angehörigen-Ambulanz arbeiten Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen. Dadurch bietet die Einrichtung Betroffenen gebündelte Kompetenz unter einem Dach und ein ganzheitliches Behandlungskonzept: Das Therapieangebot setzt sich zusammen aus psychotherapeutischen Einzelgesprächen, einem abgestimmten Gruppenangebot und einer ärztlichen Versorgung. Das multiprofessionelle Team der Angehörigen Ambulanz besteht aus psychologischen Psychotherapeuten, Neurologen, Psychiatern und Sozialpädagogen.

Weitere Informationen zur Angehörigen-Ambulanz der Asklepios Klinik Nord finden Sie hier. 


Unterstützung auf Bundesebene

Aufgrund der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung die sogenannten Akuthilfen für pflegende Angehörige verlängert. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bietet pflegenden Angehörigen über das Serviceportal "Wege zur Pflege" sowie mit einem Pflegetelefon Unterstützung.

Weitere Informationen zu den Akuthilfen, zum Serviceportal und zum Pflegetelefon finden Sie hier. 

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