Corona und psychische Gesundheit

COPSY-Studie: Ergebnisse der zweiten Befragungsrunde

Wie geht es den Kindern und Jugendlichen in Deutschland und wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf deren psychische Gesundheit aus? Die Ergebnisse aus der zweiten Befragungsrunde der COPSY-Studie (Corona und Psyche) liegen vor und zeigen erneut, dass vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen ein erhöhtes Risiko für psychische Beschwerden haben.

Die Corona-Pandemie und deren Einfluss auf das alltägliche Leben hat einen Einfluss auf die psychische Gesundheit. Insbesondere auf bereits psychisch erkrankte Menschen zeigen die Corona-Maßnahmen Auswirkungen.


Was ist die COPSY-Studie?

Die COPSY-Studie (COrona und PSYche), durchgeführt von Forschenden des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), untersucht die Folgen und Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen und Strategien für Präventions- und Interventionsansätze abgeleitet werden, die die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie fördern. Sie ist nach Angaben des UKE bundesweit die erste und international eine der wenigen Längsschnittstudien ihrer Art.

Bereits von Mai bis Juni 2020 wurde eine erste bundesweite Online-Befragung durchgeführt, in der mehr als 1.000 11 bis 17-jährige Kinder und Jugendliche und 1.500 Eltern von 7- bis 17-Jährigen befragt wurden.

Nun sind die Ergebnisse der zweiten Befragungsrunde erschienen. Von Mitte Dezember 2020 bis Mitte Januar 2021 wurden erneut 1.000 Kinder und Jugendliche und mehr als 1.600 Eltern befragt, die ebenfalls in der ersten Befragungsrunde erreicht wurden.


Psychische Gesundheit und Gesundheitsverhalten weiter verschlechtert

Fast jedes dritte Kind leidet unter psychischen Auffälligkeiten. Im Vergleich zur ersten Befragung haben Ängste und Sorgen der Kinder deutlich zugenommen. Die Kinder zeigen gleichzeitig häufiger depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden, wie beispielsweise Niedergeschlagenheit oder Kopf- und Bauchschmerzen.

Die Lebensqualität der befragten Kinder und Jugendlichen hat sich im Verlauf der COVID-19-Pandemie ebenfalls verschlechtert: Etwa 70 Prozent der Kinder geben eine geminderte Lebensqualität an. Die Pandemie hat auch negativen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten der Kinder und Jugendlichen: Zehnmal mehr Kinder als vor der Pandemie und doppelt so viele Kinder wie bei der ersten Befragung machen überhaupt keinen Sport mehr. "Sport ist ganz wesentlich für das psychische und physische Wohlbefinden. Neben der für die gesunde Entwicklung so wichtigen Bewegung treffen Kinder und Jugendliche beim Sport auch ihre Freunde, lernen, sich in eine Mannschaft einzuordnen und mit Konflikten, Siegen und Niederlagen umzugehen", sagt Professorin Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der COPSY-Studie und Forschungsdirektorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psycho- therapie und -psychosomatik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Gleichzeitig verbringen die Kinder mehr Zeit vor digitalen Endgeräten als im Frühsommer 2020 und ernähren sich ungesünder.


Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen besonders betroffen

Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund betroffen sind. Sie berichten beispielsweise häufiger von einer beeinträchtigten Lebensqualität als Kinder aus sozial besser gestellten Verhältnissen. Die Daten der zweiten Befragung sind dabei noch deutlicher als die in der ersten Befragungsrunde.
Hier betont die Studienleiterin Professorin Ulrike Ravens-Sieberer, dass verlässliche Konzepte gebraucht werden, die insbesondere Kinder und Jugendliche aus Risikofamilien unterstützen und die seelische Gesundheit stärken sollen. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die gesundheitliche Chancengleichheit durch die Pandemie gefährdet ist und sich Ungleichheiten weiter verschärfen.

Die zweite COPSY-Befragungsrunde zeigt auch, dass sich nicht nur Kinder, sondern auch verstärkt Eltern durch die anhaltende Pandemie und die damit verbundene Doppelbelastung durch das Homeschooling und die eigene Arbeit belastet fühlen und vermehrt unter depressiven Symptomen leiden.

 


Weitere Ergebnisse der zweiten Befragung im Rahmen der COPSY-Studie finden Sie hier im vollständigen Pressebericht.

Weitere allgemeine Informationen zur COPSY-Studie sowie Publikationen finden Sie hier auf der Studienhomepage.