WIdO-Monitor 1/2021

Gesundheitliche Belastungen durch Umwelteinflüsse

Welche Relevanz haben Umwelteinflüsse und Umweltschutz für die Bevölkerung? Ist der Bevölkerung der Einfluss von Umweltbelastungen auf die Gesundheit bewusst? Eine bundesweite repräsentative Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) liefert Antworten und stellt Forderungen an die Politik, denn alle Menschen brauchen gesunde Lebensbedingungen.

Unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden werden durch den Zustand unserer Umwelt beeinflusst. Laut Bericht der Europäischen Umweltagentur (European Environment Agency, EUA) gehen 13 Prozent, das ist jeder achte Todesfall in der Europäischen Union, auf die Umweltverschmutzung zurück (EUA, 2020). Die Luftverschmutzung stellt weltweit das größte Risiko für die Gesundheit dar und ist die zweithäufigste Ursache von Todesfällen aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten (non-communicable diseases, NCDs), so die Weltgesundheitsorganisation (WHO).  Betrachtet man die volkswirtschaftlichen Kosten der durch feinstaubbedingte Erkrankungen hervorgerufenen frühzeitigen Sterbefälle in Deutschland, so liegen diese jährlich laut Umweltbundesamt bei 153 Milliarden Euro (Kalluweit & Bünger, 2015).

Wie relevant ist dieses Themenfeld jedoch für Bürgerinnen und Bürger? Und wie schätzen sie die eigenen gesundheitlichen Beschwerden durch verschiedene Umweltbelastungen ein? Ende September 2020 befragte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) dazu 3.000 Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren.



Ergebnisse des WIdO-Monitors 1/2021

Von den Befragten sind 38,7 Prozent der Auffassung, dass Umweltverschmutzung und Umweltschadstoffe die eigene Gesundheit stark oder sehr stark belasten. Lärm (z.B. Straßenverkehrslärm) wird im Vergleich zu Luftverschmutzung und Chemikalien am häufigsten als belastend erlebt. Die mit den Umweltbelastungen verbundenen gesundheitlichen Beschwerden sind oft psychosomatischer Natur: Nervosität, Reizbarkeit, aber auch Kopfschmerzen oder Atemwegserkrankungen werden hier von den Befragten am häufigsten als Beschwerden genannt.

Der WIdO-Monitor zeigt auch, dass 76,4 Prozent der Befragten befürchten, dass in der Zukunft Umweltverschmutzungen und Umweltschadstoffe die Gesundheit nachfolgender Generationen beeinträchtigen werden. Besonders die jüngere Generation unter 30 Jahren zeigt sich besorgt: 83,4 Prozent dieser Altersgruppe denkt, dass Umweltverschmutzung und Umweltschadstoffe die Gesundheit von Kindern und Enkelkindern in den nächsten 25 Jahren stark oder sehr stark belasten werden. Drei Viertel (74,3 Prozent) aller Befragten zeigen sich aufgeschlossen, selbst zum Umweltschutz durch Mülltrennung, Senken des Energieverbrauchs oder durch eine umweltfreundliche Art der Fortbewegung beizutragen.

Laut WIdO-Monitor ist den Bürgerinnen und Bürgern der Einfluss von Umweltbelastungen auf die Gesundheit also bewusst. Das Autorenteam resümiert, dass es nun auf die Politik ankommt, denn: Entscheidend ist die Veränderung der Rahmenbedingungen. "Das eigene Verhalten ist nur ein Eckpfeiler im Umgang mit Umwelteinflüssen und -belastungen", so einer der Studienautoren Dr. Kai Kolpatzik vom AOK- Bundesverband.


Hier gelangen Sie zum gesamten WIdO-Monitor 1/2021 "Gesundheitliche Belastungen durch Umwelteinflüsse" (PDF).

Lesen Sie dazu auch unseren BVPG-Blog zum Schwerpunkt "Klimawandel": hier geht Dr. Hans Wolter, der bundesweite Koordinator des Gesunde Städte-Netzwerks, u.a. darauf ein, was eine klimaresiliente Stadt- und Regionalentwicklung auszeichnet.