Fünf-Jahres-Plan

WHO: Neues Arbeitsprogramm für mehr Gesundheit in Europa

Im Rahmen der 70. Tagung des Regionalkomitees der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Europa vom 14. bis 15.September 2020 wurde dem Europäischen Arbeitsprogramm 2020-2025 (EPW) „Gemeinsam für mehr Gesundheit in Europa“ zugestimmt. Die International Union for Health Promotion (IUHPE) reagiert darauf mit einem Statement und weiteren Forderungen.

In dem auf fünf Jahre angelegten Europäischen Arbeitsprogramm (EPW) wird erläutert, wie die WHO Europa und die Mitgliedstaaten sich gemeinsam darum bemühen wollen, die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger in Bezug auf Gesundheit zu erfüllen. Im Programm wird direkt zu Beginn betont, dass niemand zurückgelassen werden dürfe und die Führungskompetenz der Gesundheitsbehörden in der Europäischen Region gestärkt werden müsse.

Auf folgende zentrale Punkte sollen die Regierungen der 53 Mitgliedsländer der WHO Europa in den kommenden fünf Jahren hinarbeiten:

1. Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung
2. Schutz vor gesundheitlichen Notlagen
3. Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden

Arbeitsfelder der nächsten fünf Jahre

Um eine allgemeine Gesundheitsversorgung zu verwirklichen, wird die Arbeit von der WHO Europa durch Flaggschiff-Initiativen ergänzt: Das "Bündnis für psychische Gesundheit" und die "Initiative zur Befähigung zu selbstbestimmtem Handeln mit Hilfe digitaler Gesundheitsangebote". Welche Maßnahmen im Zuge dieser Initiativen genau geplant sind, wird im Arbeitsprogramm näher erläutert.

Hier heißt es, dass "(...) die Gesundheits- und Sozialversorgung und das Öffentliche Gesundheitswesen entscheidend für eine Ökonomie des Wohlergehens sind (...)." Um das zu erreichen, ist eine weitblickende Politik gefordert, die Mut, Kreativität und Lernfähigkeit beinhalte.

Bei der Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung wird der Schwerpunkt auf fünf Bereiche gelegt: Die Mitgliedsstaaten sollen bei ihren Bemühungen darin unterstützt werden, 1) die Menschen in den Mittelpunkt der Versorgung zu stellen, 2) die finanzielle Absicherung zu gewährleisten und auszuweiten, 3) die personellen Herausforderungen im Gesundheitswesen im Zuge des Wiederaufbaus nach COVID-19 zu bewältigen, 4) einen Zugang für alle zu Arzneimitteln, Impfstoffen und Gesundheitsprodukten zu gewährleisten und 5) die verantwortungsvolle Führung und Steuerung zu verbessern.

Der Bereich Schutz vor gesundheitlichen Notlagen beinhaltet eine dreifach Zielsetzung: Zum einen, die laufende Überprüfung der COVID-19-Maßnahmen auf Reaktionen der Europäischen Region auf gesundheitliche Notlagen in jüngster Zeit ausweiten. Dazu gehört beispielsweise die Dokumentation der Lehren der bisherigen Gegenmaßnahmen oder die Förderung von Forschungsvorhaben zum Schutz der Öffentlichkeit und des Gesundheitspersonals. Ein zweites Ziel ist, die Bereitschaftsplanung und Handlungsfähigkeit der Länder zu unterstützen. Als drittes Ziel wird die Verstärkung der Bereitschaftsplanung und Handlungsfähigkeit in der Europäischen Region und die Erzeugung öffentlicher Güter für die Bewältigung von Krisen benannt.

Der Schwerpunkt Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden wird in folgende Arbeitsfelder unterteilt:

• Unterstützung örtlicher Lebensumfelder, die Gesundheit und Wohlbefinden ermöglichen (z.B. Unterstützung des Gesunde Städte-Netzwerks)
• Förderung eines sichereren, gesünderen und besseren Lebens
• Verbesserung der Patientensicherheit und Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen
• Ausarbeitung strategischer Informationen über die Verteilung von Gesundheit und Wohlbefinden sowie Ungleichheiten auf diesem Gebiet
• Überprüfung der wichtigsten bewährten Programme innerhalb des fachlichen Aufgabenspektrums von WHO Europa, Bewertung ihres Bedarfs für Effizienzverbesserung durch Innovationen in Bezug auf Digitalisierung, Technologien und Organisation

Bei diesem Schwerpunkt kommen ebenfalls Flaggschiff-Initiativen zum Einsatz: Die "Europäische Impfagenda 2030" und die Initiative "Gesundheitsförderliches Verhalten: Berücksichtigung verhaltensbezogener und kultureller Erkenntnisse".

Die Umsetzung dieser Prioritäten erfordert Veränderungen hinsichtlich der Arbeitsweise von der WHO Europa. Es wurden deshalb drei neue Fachabteilungen geschaffen: die Abteilung Gesundheitspolitik und Gesundheitssysteme der Länder (CPS), die Abteilung Gesundheitsprogramme der Länder (CHP) und die Abteilung Länderunterstützung und Notlagen (CSE).

Im Arbeitsprogramm wird auch der bisherige Umgang mit der COVID-19-Pandemie bilanziert. Die Lehren aus den Erfahrungen spielen eine wesentliche Rolle für den Wiederaufbau nach der COVID-19-Krise und für die Bewältigung der Herausforderungen der zukünftigen Gesundheitspolitik.

Die 71. Tagung des Regionalkomitees findet vom 13. bis 15. September 2021 in Kopenhagen statt.

Hier gelangen Sie zum Europäisches Arbeitsprogramm 2020-2025 - "Gemeinsam für mehr Gesundheit in Europa" (PDF).


Statement und Forderung der IUHPE

Die International Union for Health Promotion (IUHPE) unterstützt die Schwerpunktsetzung des europäischen Arbeitsprogramms.

Sie fordert das WHO-Regionalbüro für Europa auf, Gesundheitsförderungssysteme in der europäischen Region zu stärken, um gesundheitliche Herausforderungen der sich abzeichnenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und seiner Folgen, der nichtübertragbaren Krankheiten (non-communicable diseases, NCDs) und der Krise bezogen auf die psychische Gesundheit sowie der planetaren Gesundheit besser zu bewältigen.

Außerdem fordert sie den Ausbau der Kapazitäten zur Gesundheitsförderung innerhalb der eigenen Strukturen der WHO. Gelingen kann das durch die Ernennung von hochqualifiziertem Fachpersonal, das die strategische Führung für die Gesundheitsförderung in der europäischen Region übernimmt und sicherstellt, dass die Gesundheitsförderung vollständig in das neue Arbeitsprogramm integriert und umgesetzt wird.

Hier finden Sie das gesamte englischsprachige Statement der IUHPE "Position Statement from the International Union for Health Promotion and Education" (PDF).